Wenn es ein natürlicher und glatter, aber dünner Belag sein soll, kommt eigentlich nur ein echter Linol- oder Kork-Fußboden in Frage. Es gibt ihn bereits ab zwei Millimetern Stärke.

Vor- und Rückseite einen Linoleum-Click-Systems, Foto (C) Irmgard Brottrager

Vor- und Rückseite eines Linoleum-Click-Systems, Foto (C) Irmgard Brottrager

 

Linoleum = Linum und Oleum (Lein und Öl)

Nicht immer ist genug Platz für einen dicken Holzboden-Aufbau oder Fliesen in Mörtelbett. Linoleum-Beläge sind von zwei bis vier Millimetern erhältlich – ohne Kleber gerechnet. Wer den Belag selbst verlegen möchte, kann ein Klick-System wählen mit einer Gesamtstärke von zehn Millimetern. Linoleum ist nicht in jedem Baumarkt zu bekommen und wenn man danach Ausschau hält, sollte man betonen, dass es ein ECHTES sein soll, denn sonst wird PVC angeboten. Viele Verkäufer werden sogar den Kopf schütteln, weil sie das Material nicht kennen. Es war Ende des 19. Jahrhunderts bis 1960 sehr beliebt, ist aber heute keine Massenware mehr und wird nur noch von wenigen Firmen produziert. Der Belag erinnert optisch an Kautschuk. Die feste, gummiartige Mischung besteht aus Kork- und Holzmehl, Kalksteinpulver, Leinöl, Naturharz und Farbpigmenten. Als Trägermaterial dient ein Jute-Gewebe. Die Angebotspalette reicht von schlichten Unifarben bis hin zu stark marmorierten Dessins in kräftigen Farben. Das Material verhält sich ähnlich wie geöltes Holz. Es ist oberflächlich feuchtigkeitsbeständig, aber nicht wasserdicht. Es kann Luftfeuchtigkeit aufnehmen und abgeben.

 

Marmoleum Click

Das Klicksystem lässt sich wie ein Fertigparkett verlegen und muss weder geklebt noch verfugt werden. Die Platten haben eine handliche Größe und sind in unterschiedlichen Formaten zu beziehen. Die Herstellerfirma Forbo bietet sogar einen Roomplaner an, mit dem man die Wirkung von verschiedenen Mustern testen kann. Click-Elemente bestehen aus einer wasserabweisenden Holzfaserplatte, einer dünnen Korkschicht und einer 2,5 Millimeter starken Nutzschicht in beliebiger Farbe. Die Teile werden mit Nut-Feder-Profilen verbunden und „schwimmend“ verlegt – mit einem Abstand von mindestens einem Zentimeter zu allen angrenzenden Bauteilen. Die Randfugen werden mit Sockelleisten abgedeckt.

 

Bahnenware

Das Angebot an Bahnenware ist deutlich größer als das Angebot an Klicksystemen. Hier stehen wesentlich mehr Farben, Muster, Materialstärken und Spezifikationen zur Auswahl. Das Material ist allerdings zum Selberverlegen eher nicht geeignet. Die Nahtkanten müssen perfekt geschnitten werden und es ist auch spezielles Werkzeug erforderlich – zum Beispiel eine Fugenfräse für die Herstellung der Fuge, eine schwere Walze zum Festdrücken auf dem Kleber, ein Schweißgerät für den Schmelzdraht, ein Fugenhobel sowie diverse Schneide- und Messgeräte. Der Untergrund muss vollständig glatt sein, denn jede Fuge, Struktur oder Körnung kann sich später abzeichnen. Unregelmäßige Altbeläge sind als Untergrund nicht geeignet. Die Rollen werden mit einer Breite von zwei Metern geliefert und können nicht lose verlegt werden – es sei denn, es handelt sich um schmale Läufer auf bestehenden Fußböden. Die Verklebung und das Verschweißen der Naht sind deswegen notwendig, weil das Kork-Holz-Gemisch wie Holz „arbeitet“, wenn sich die Luftfeuchtigkeit ändert. Damit sich der Belag an die Raumfeuchtigkeit anpassen kann, sollte man ihm Zeit lassen, um sich zu akklimatisieren, bevor man ihn auslegt. Das gilt nicht nur für die Rollen, sondern auch für Click-Systeme.

Bahnenware ist ideal für Turnsäle, Krankenhäuser, Schulen und öffentliche Einrichtungen, während das Klicksystem eher für Privaträume zu empfehlen ist. Wer nur wenige Quadratmeter benötigt, wird vielleicht bei Fachhändlern und Bodenlegern fündig, die Reste aufbewahren. Musterplatten können direkt bei den Herstellern bestellt werden.

Muster von Linoleum-Bahnen, Foto (C) Irmgard Brottrager

Muster von Linoleum-Bahnen, Foto (C) Irmgard Brottrager

 

Vorteile

  • hygienisch durch antibakterielle und antifungizide Wirkung
  • schmutzabweisend, glatt und pflegeleicht
  • fußwarm und elastisch
  • ökologisch und nachhaltig
  • strapazierbar und langlebig
  • farbecht und lichtbeständig
  • wärmedämmend und schwer entflammbar
  • geeignet für Fußbodenheizungen
  • antistatisch und für Stuhlrollen tauglich
  • rutschhemmend und schallhemmend
  • kostengünstig
  • keine Oberflächenbehandlung erforderlich
  • auch als Mousepad, Arbeitplatten- und Tischbelag geeignet
  • kreative Gestaltung möglich mit unterschiedlichen Farben

 

Nachteile

  • Das elastische Material ist trotz aller Widerstandsfähigkeit wenig druckfest und man muss daher mit Druckstellen rechnen unter Tischen und Schränken. Auch Steine an den Schuhsohlen können dauerhafte Schäden hinterlassen.
  • Der Belag ist nicht schnittfest und lässt sich als Arbeitsplatte zwar gut abwischen, verträgt aber keine Bearbeitung mit spitzen Gegenständen.
  • Unebenheiten im Untergrund können sich durchdrücken.
  • Die Nutzschicht kann im Laufe der Jahre spröde werden und ist dann nicht mehr so elastisch. An gebogenen Stellen kann das Material sogar brechen – was öfter bei Möbel-Linoleum der Fall ist als am Fußboden.
  • In stark frequentierten Bereichen können „Gehstraßen“ entstehen.
  • Der Belag ist nicht für Bäder, Waschküchen und Gastronomieküchen geeignet, denn er kann sich verformen, wenn die Luftfeuchtigkeit erhöht ist.
  • Der Kleber und die Oberflächenbehandlung können die Raumluft belasten, wenn es sich um keine ökologischen Produkte handelt.
  • Der typische Eigengeruch hält recht lange an.

 

 

 

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Irmgard Brottrager, Dipl.Ing. für Architektur und Innenarchitektur,

Ganzheitliche Raum-Gestaltung und Europäisches Fengshui 

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Literatur-Übersicht

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