Der mobile Camping-Ofen ist ein raffiniertes Low-Tech-Gerät mit Kamineffekt und Holzvergaser-Prinzip. Er hat eine lange Tradition und ist eine interessante Alternative zu Grillöfen, Feuerlaternen und Gaskochern.

Selbst gebauter Raketenofen in L-Form, Foto (C) Leigh Blackall / flickr

Selbst gebauter Raketenofen in L-Form, Foto (C) Leigh Blackall / flickr

 

Sie haben vor allem in ärmeren Ländern Tradition und werden meist selbst gebaut. Daher gibt es sie in unzähligen Formen und Ausführungen. Das Besondere daran ist, dass die Brennstoff-Zufuhr von der Seite erfolgt, wobei der Zufuhr-Schacht rechtwinkelig, schräg oder hakenförmig angeordnet sein kann. Durch die L-förmige Anordnung entsteht ein Kamineffekt. Die Rohre können rund oder eckig sein, aus dünnem Blech, dickem Eisen oder Mauerwerk bestehen. Jedes hitzebeständige Material ist geeignet. Bessere Modelle sind zweiwandig oder sogar mehrschalig und mit speicherfähigem Isoliermaterial gefüllt. Die Palette reicht von ineinandergeschobenen Konservendosen bis zu alten Blechfässern und ausgeklügelten Designerprodukten.

 

Feuerspeiende „Drachenöfen“ mit kompletter Nutzung der Holzgase

Sie werden auch „Rocket Stove“, Holzvergaser, Holzgasöfen und Drachenöfen genannt, weil die Flammen sehr konzentriert züngeln und auch wegen der rauschenden Geräusche, die sie beim Betrieb von sich geben. Im Gegensatz zu Lagerfeuern geht keine Hitze verloren, sondern sie bleibt auf die Kochstelle konzentriert. Wenn der Koch-Rost nicht aus Blech, sondern aus dickem Gusseisen besteht, ist die Speicherwirkung noch besser. Die Luftführung erfolgt nach dem Holzvergaser-Prinzip. Die Zuluft gelangt unterhalb der Holzauflage in den Brennraum und entweicht ganz oben unterhalb des Kochgeschirrs. Ein Kaminrohr ist nicht notwendig, weil sich fast gar keine rauchenden Abgase entwickeln. Die entstehenden Gase werden bereits in der Brennkammer verbrannt, wodurch sich die Effizienz erhöht. Die Öfen sind quasi Biomasse- und Gasöfen zugleich. Vom Brennholz bleiben keine verkohlten Stücke übrig, sondern das Brennmaterial wird sauber und fast rückstandslos verbrannt.

 

Die Vorteile gegenüber herkömmlichen Grillöfen

Raketenöfen sind immer dann im Vorteil, wenn das Brennmaterial rar und kostbar ist. Sie sind für kleinteilige Holzstückchen, Tannenzapfen und andere Biomasse geeignet, die man im Freien sammeln kann, ohne einen Baum zu beschädigen. Das Kochgut wird sehr schnell heiß, ohne Qualm und Energieverluste. Die Brennstoff-Ersparnis verglichen mit gewöhnlichen Holzöfen beträgt bis zu 70%! Sie sind sehr einfach zu bauen, relativ klein und daher auch transportabel. Wer keine Zeit hat oder kein Heimwerker-Typ ist, kann fertige Modelle im Handel erwerben. Die Feuerungstechnik ist weltweit bewährt und erprobt. Die Anschaffung eines Raketenofens stellt daher kein Risiko dar, sondern ist eine sichere Investition in Richtung Selbstversorgung und energetische Unabhängigkeit.

 

Gefahren und Sicherheitshinweise

Die Nachteile sind ähnlich wie beim offenen Feuer: Die Feuerstelle muss ständig beaufsichtigt werden und das Holz muss rechtzeitig nachgelegt werden. Es gibt zwar auch gemauerte Öfen mit Rauchrohranschluss, aber im Allgemeinen sind Raketenöfen nur im Freien zu betreiben. Außerdem kann es zu einem gefährlichen Rückbrand kommen, wenn der Luftabzug verstopft ist. Um den Betrieb zu unterbrechen, muss man das Feuer ausmachen. Der Zwischenraum bei doppelwandigen Zylindern wird mit Sand oder Asche gefüllt, um ein Durchglühen zu verhindern und die Sicherheit zu erhöhen. Es sollte immer ein Eimer mit Sand bereit stehen, um die Flammen im Notfall ersticken zu können.

 

Kachelofen- und Hypokausten-Effekte durch Verteilung der Heißluft

Manche Indoor-Raketenöfen haben eine aufwändige Rauchgasführung, um einen Kachelofen-Effekt zu erzielen. Das antike Vorbild ist die römische Hypokausten-Heizung, wobei die warme Abluft zur Erwärmung von Hohlräumen in Wänden und Fußböden verwendet wurde. Bei den Römern lag die Feuerkammer meist im Freien, während die Abgase durch das Haus geleitet wurden und über einen Schornstein entwichen.

 

L- Brenner

Die häufigste Bauart ist die L-förmige Anordnung der Bauteile. Der Brennstoff liegt in einem waagrechten Füllschacht (Blechstutzen) auf einer feuerfesten Unterlage. Er muss ständig in die Brennkammer nachgeschoben werden, wo die Glut auf den Boden fällt. Die Zuluft strömt oberhalb und unterhalb am Brennstoff vorbei.

 

V-Brenner

Bei dieser Bauart ist der Blechstutzen nicht waagrecht, sondern schräg angesetzt, so dass der Brennstoff nachrutschen kann.

 

J-Brenner

Hier stehen die Holzstücke senkrecht im Füllschacht und rutschen von selber nach. Das Glutbett befindet sich direkt darunter.

 

 

*

*

Irmgard Brottrager, Dipl.Ing. für Architektur und Innenarchitektur,

Ganzheitliche Raum-Gestaltung und Europäisches Fengshui 

Link zur Homepage

*

Literatur-Übersicht

*

Link zum Everyday-Feng-Shui Berater-Profil