Stadtmöbel dürfen weit mehr sein als nur Sitzbankerl: Lümmelflächen, Spielflächen, Abstellflächen, Turngeräte, Sonnendecks, Kleinbühnen, Kuschelecken, Wickeltische und Plattformen für die Kommunikation in der Gruppe zum Beispiel.

Projekt Franklinstraße, Foto (C) Irmgard Brottrager

Projekt Franklinstraße, Foto (C) Irmgard Brottrager

 

Sitzbänke für zwei bis drei Personen sind zwar altbewährt, aber in der Praxis wenig befriedigend. Denn möchte man sie allein benutzten, fühlt man sich durch unerwünschte Sitznachbarn schnell gestört. Ist man jedoch zu dritt oder viert unterwegs, kann man sich nicht vernünftig unterhalten. Die Blickrichtung ist fix vorgegeben und selten so gewählt, dass man das bestmögliche Blickfeld hat. Außerdem kleben die Bänke oft direkt am Gehweg, ohne jeden Abstand, so dass man keine Ruhe findet. Der müde Stadtwanderer möchte vielleicht auch mal seine Schuhe ausziehen oder das Laptop auspacken, das Kind stillen oder den mitgebrachten Fruchtsalat löffeln. Die meisten Bankerlsitzer möchten sich einfach erholen und nicht in Kontakt treten mit unbekannten Passanten. Man ist zum Shoppen in der Stadt oder als Tourist unterwegs, trägt Einkaufstüten mit sich oder einen Schulranzen und wartet auf die nächste Vorlesung. Oder man verbringt die Arbeitspause im Park, möchte ungestört telefonieren und ein wenig meditieren. Oder man wartet einfach auf den Bus und sucht einen sauberen Abstellplatz für den schweren Rucksack.

 

„Smarte“ Stadtmöblierung für alle Altersgruppen

In vielen Städtämtern wurde bereits erkannt, dass herkömmliche Bänke kein starker Publikumsmagnet sind. Wenn man möchte, dass was los ist im öffentlichen Raum, muss man mehr bieten. Das Angebot darf durchaus vielfältig sein und von Einzelsitzen bis zu ganzen Sitzlandschaften reichen. Objekte mit außergewöhnlichem Produktdesign nehmen zugleich den Rang von Landmarks und Skupturen ein. Man sieht sie kombiniert mit Pflanzbehältern und Abfalleimern, Wasserbrunnen und Überdachungen, Fahrradständern und Baumscheiben, mit oder ohne Lehnen. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

 

Geeignete Holzarten für den Außenbereich

Lärchenholz ist hierzulande der nachhaltigste Baustoff für Sitzmöbel im Freien. Denn es ist einheimisch und robust, benötigt keine Oberflächenbehandlung und fühlt sich angenehm warm an. Beton, Kunststoffe und Metalle können mit diesen Vorzügen nicht mithalten. Die Lärche hat nur den Nachteil, dass sie zur Riss- und Schieferbildung neigt. Das Holz von Eichen und Robinien ist ebenfalls geeignet, aber wesentlich hochpreisiger. Preisgünstige Hölzer wie Tanne, Fichte und Kiefer benötigen einen Holzschutz, wenn sie im Freien eingesetzt werden. Was für Parkmöbel taugt, ist natürlich auch für den Balkon, den Garten und die Terrasse verwendbar. Bambus-Möbel sieht man bei uns nur selten im Außenraum. Generell sollte in bewitterten Bereichen nur hochwertiges Kernholz eingesetzt werden. Die Holzteile können im Laufe der Zeit problemlos ausgetauscht und ersetzt werden. Sie nehmen eine natürliche Patina an und fügen sich optisch in jeden Grünraum ein.

 

Projekt Franklinstraße, Foto (C) Irmgard Brottrager

Projekt Franklinstraße, Foto (C) Irmgard Brottrager

 

Projekt Franklinstraße in Wien

Ein Vorzeigeprojekt, wie eine moderne Außenraum-Möblierung aussehen kann, befindet sich in Wien Floridsdorf. Die möblierte Aufenthaltszone ist eine beliebte Fußgänger-Promenade. Sie beginnt direkt vor der U-Bahnhaltestelle und erstreckt sich mehrere hundert Meter entlang einer alten Baum-Allee zwischen Bildungseinrichtungen, medizinischen Adressen und einem Hallenbad. Es handelt sich um ein Sozialprojekt für arbeitslose Jugendliche mit Fertigstellung bis Ende November 2017. Die Herstellung der Objekte erfolgt in Arbeitscontainern, die direkt vor Ort aufgebaut sind. Die Jugendlichen kommen von der Pflichtschule, haben noch keine Lehrausbildung und betreiben „Learning by doing“, wie man so sagt, um erste Erfahrungen im Arbeitsleben zu sammeln. Für das Design, die Grünraumgestaltung und die technische Planung ist das Landschaftsarchitektur-Büro zwoPK verantwortlich. Es sorgt dafür, dass die Proportionen stimmen und die Verbindungen halten. Neben Sitzbänken in allen möglichen Formen wurden diverse Plattformen, Stege, Rampen, Decks, Zäune, Hochbeete, Spielelemente und „Aktivitätsinseln“ realisiert. Bestimmte Nutzungen sind nicht vorgegeben, sondern jeder Besucher kann die Flächen ganz individuell verwenden. Es wird lediglich zwischen Aufenthalts- und Treffpunkt-Bereichen unterschieden. Außerdem sind ein Kiosk und ein Sonnendeck integriert. Alles besteht aus gehobelten Lärchenholz-Dielen mit gefasten Kanten, die ansonsten unbehandelt bleiben.

Projekt Franklinstraße, Foto (C) Irmgard Brottrager

Projekt Franklinstraße, Foto (C) Irmgard Brottrager

 

 

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Irmgard Brottrager, Dipl.Ing. für Architektur und Innenarchitektur,

Ganzheitliche Raum-Gestaltung und Europäisches Fengshui 

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Literatur-Übersicht

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