In Japan wurde 2016 mit dem weltweit ersten Bambus-Kraftwerk begonnen. Es soll Strom für rund 5.000 Haushalte liefern. Der schnell nachwachsende Rohstoff ist außerdem ein hervorragendes Baumaterial.

Foto (C) Prayitno / Thank you for (12 millions +) view / flickr

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Bambus ist wie das Elefantengras auch als Biomasse geeignet, jedoch war die Verbrennung bisher problematisch und in gewöhnlichen Kesselöfen nicht möglich. Der japanische Kraftwerksbetreiber „Fujisaki Eletric“ hat gemeinsam mit der deutschen Firma „Lambion Energy Solutions GmbH“ eine Brenntechnik entwickelt, die es ermöglicht, das massenhaft vorhandene Riesengras thermisch zu verwerten. Wenn sich die Bambus-Verheizung bewährt, ist ein neuer Kraftswerkstyp für Biomasse auf dem Markt, der auch in den Export gehen soll. Bambus ist als Energielieferant interessant, weil er wenig Anbaufläche benötigt, sehr schnell nachwächst und kaum Ansprüche stellt. Er benötigt keinen Dünger, wird mehrere Meter hoch und gedeiht auch in städtischen Umfeldern.

 

Bambus-Verwendung in Europa

Bambus ist auf allen Kontinenten zu Hause, nur nicht in Europa. In heimischen Baumärkten findet man Bambus hauptsächlich in der Garten- und Holzplatten-Abteilung. Der feuchtigkeitsunempfindliche Werkstoff ist bestens für Arbeitsplatten, Bodenbeläge, Matten, Möbel, Rollos und Küchenutensilien geeignet. Außerdem benutzen wir Bambusblätter als Tee und Bambussprossen als Nahrungsmittel. Architektur, die aus ganzen Bambushalmen zusammengefügt ist, kann spektakuläre Formen annehmen. Leider hat sie bei uns keine Tradition und es steht auch kein geeignetes Material für derartige Anwendungen zur Verfügung. In Asien wird Bambus wesentlich häufiger und vielseitiger eingesetzt als in Europa. Sogar die Konstruktion von Fahrrädern ist möglich. Bei uns stehen weniger die technischen Vorteile, sondern mehr die dekorativen Qualitäten im Vordergrund. Bambus in jeder Form sorgt für asiatisches Flair, egal ob als Zimmerpflanze oder als Tischset.

 

Anbau und Verarbeitung

Manche Arten gedeihen auch in unseren Breiten, sind aber grundsätzlich für ein wärmeres und feuchteres Klima ausgelegt. Riesige Bambus-Plantagen gibt es zum Beispiel in Kolumbien und China. Die hohlen Halme gehören zu den Gräsern und entwickeln eine äußerst harte Schale, die in Steifen geschnitten und zu Platten verarbeitet werden kann. Werden die Rohre als Ganzes verwendet, müssen sie nur noch getrocknet und imprägniert werden. Das Material ist bei Anwendungen im Außenbereich ähnlich zu schützen wie Holz, damit es nicht verwittert. Räuchern, Dämpfen und Behandlungen mit Borsalz verhindern den Befall von Schädlingen. Dachüberstände sorgen dafür, dass der Baustoff trocken bleibt und nach Regengüssen schnell wieder abtrocknet.

 

Billig und erdbebensicher: Bauwerke aus Guadua-Bambus

Zu den Bambusarten, die am meisten Holz liefern, gehört der Guadua-Bambus. Er wächst derart rasant, dass er bereits nach 3 bis 4 Jahren erntereif ist. Pro Hektar ist ein Ertrag an Biomasse von 60 Kubikmetern pro Jahr möglich. Die Halme werden bis 25 Meter hoch und 15 Zentimeter dick bei Wandstärken von bis zu 35 Millimetern. Mit derart stabilen Rohren lassen sich sogar Brücken und mehrstöckige Häuser bauen. Das Material ist durch die Hohlräume wesentlich leichter und elastischer als Vollholz.

Foto (C) 準建築人手札網站 Forgemind ArchiMedia / flickr

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Biogas-Anlagen aus Bambushalmen

In Uganda, Georgien und Indien werden Bambusrohre verwendet, um riesige Körbe für Biogas-Anlagen zu flechten.

 

Energiegewinnung aus integrierten Energieplantagen

Plantagen mit einem Mix aus verschiedenen Biomasse-Pflanzen, die sich gegenseitig unterstützen, sind wesentlich ökologischer als Monokultur-Plantagen. Für die die Herstellung von Biodiesel, Äthanol und Bio-Gas können auch Bambuspflanzen herangezogen werden.

 

Bambus im Garten

Bambus ist auf Grund seiner Größe, Wuchsfreudigkeit und Tendenz, sich auszubreiten, nur bedingt für kleine Gärten geeignet. Wer auf eine Rhizomsperre verzichtet, muss damit rechnen, dass die Pflanzen zu wuchern beginnen. Der Bambusanbau macht nur Sinn, wenn man vorhat, die Halme zu ernten und nutzbringend zu verwerten. Als Sichtschutz und Zierpflanze, wie er oft verwendet wird, kann er mehr Ärger als Freude bereiten. Die Wurzeln dürfen nicht in den Kompost und die kieselsäurehaltigen Rohre sollte man möglichst zerkleinern, damit sie schneller verrotten.

 

 

 

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Irmgard Brottrager, Dipl.Ing. für Architektur und Innenarchitektur,

Ganzheitliche Raum-Gestaltung und Europäisches Fengshui 

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Literatur-Übersicht

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