Sie tragen Namen wie Bios und Biosphere, und wurden mit dem Ziel gebaut, die Überlebensmöglichkeiten von Menschen in autarken und luftdicht geschlossenen Anlagen zu untersuchen.

Die Biosphère in Montreal ist vor allem ein Baukunst-Denkmal und keine Hülle für ein autarkes Ökosystem. Foto (C) Jeff Egnaczyk / flickr

Die Biosphère in Montreal ist vor allem ein Baukunst-Denkmal und keine Hülle für ein autarkes Ökosystem. Foto (C) Jeff Egnaczyk / flickr

 

CELSS ist die Abkürzung für „Controlled Ecological Life Support Systems“. Die Bezeichnungen “Biosphäre” und “Bios” werden heute für für alle möglichen Glashäuser und Biotope benutzt, nachdem spektakuläre Pilot-Projekte mit diesen Namen bekannt geworden sind. Die Biosphère in Montreal ist zum Beispiel ein Wasser- und Umweltmuseum in Glaskuppel-Form nach den Plänen des berühmten Architekten Richard Buckminster Fuller und keine Hülle für ein autarkes Ökosystem. Zu den wichtigsten CELSS-Projekten gehören:

  • Arizona: Biosphere 2
  • Russland: Bios1, Bios 2, Bios 3

Das Ziel der Untersuchungen war freilich nicht, herauszufinden, was der Mensch braucht, um mit möglichst wenig Aufwand im Einklang zu leben mit der Natur, sondern die Langzeit-Experimente dienten der Erforschung von möglichen Weltraum-Kolonien auf anderen Planeten. Dennoch können wir viel von den Ergebnissen lernen.

 

Biosphere 2 in Arizona, USA

„Biosphäre 2“ wurde privat finanziert und im Jahr 1991 gestartet. Es handelt sich um einen riesigen Treibhaus-Komplex aus Beton, Glas und Stahl, mit dem ein autarkes Ökosystem geschaffen werden sollte, das unabhängig von seiner Umgebung funktioniert. Nachdem es in der Natur keine geschlossenen Systeme gibt, sondern alles mit allem verbunden ist, ist das Konzept ziemlich unsinnig, weil es den kosmischen Gesetzmäßigkeiten widerspricht. Aber der Mensch glaubt ja alles besser zu wissen und die Natur beherrschen zu können. Das Projekt war insofern erfolgreich, als man erfahren durfte, was NICHT funktioniert. Es startete als ernsthaftes wissenschaftliches Experiment, artete aber durch zahlreiche Regelbrüche immer mehr in ein medienwirksames „Dschungelcamp“-Spektakel aus. Die Insassen waren Forscher und keine Wildnis- oder Permakultur-Experten. Als Vorbereitung mussten sie verschiedene Abenteuer und Härtetests bestehen, aber das war es wohl nicht, worauf es ankam.

Der 13.000 Quadratmeter und 204.000 Kubikmeter großer Kuppelbau wurde für eine Besatzung von acht Personen, vier Frauen und vier Männern geplant. Die Insassen ließen sich freiwillig einsperren für eine unbestimmte Zeit lang, waren jedoch mit Computer, Fernsehen und Telefon mit der Umwelt verbunden. Nachdem das Projekt nach zwei Jahren gescheitert ist, wurde 1994 ein zweiter Versuch gestartet und nach 6 Monaten abgebrochen. Heute wird der Gebäudekomplex als Universitätsgelände genutzt.

 

Gründe für das Scheitern von Biosphere 2

Die meisten Ursachen lassen sich auf Bau- und Konzeptionsfehler zurückführen. Aber auch die Vorbereitung der Probanden entsprach nicht den Anforderungen. Alles in allem wirkt das Konzept sehr naiv und zeugt von mangelnden Kenntnissen der Naturgesetze.

  • Soziale Probleme: Es bildete sich zwei bitter verfeindete Gruppen, die sich gegenseitig beschuldigten und sich das Leben zur Hölle machten.
  • Gesundheitliche Probleme: Eine Frau verletzte sich schwer an einem Finger und musste außerhalb der Anlage ärztlich versorgt werden. Außerdem hätten die Teilnehmer ohne therapeutische Betreuung wohl kaum durchgehalten. Sie litten Hunger und verloren zirka zehn Kilogramm Körpergewicht.
  • Die acht Wissenschaftler waren nicht imstande, sich autark zu ernähren. Die Tiere fraßen ihnen die Nutzpflanzen weg und es kam zu Ernteausfällen.
  • Der Sauerstoff in der Luft wurde vom Beton absorbiert, während sich die Stickstoff- und Kohlendioxid-Anteile erhöhten. Es wurde nicht nur Material eingeschleust, sondern auch Sauerstoff eingeblasen und Strom zugeführt, um einen frühzeitigen Abbruch des Projektes zu verhindern.
  • Die 3.800 Pflanzen- und Tierarten von verschiedenen Kontinenten passten nicht zusammen. Unkraut, Kakerlaken und Ameisen nahmen Überhand, während Nützlinge starben.
  • Das Areal war in verschiedene Klimazonen mit unterschiedlichen Bodentypen unterteilt: Wüste, Regenwald, Sumpfgebiet, Savanne, Miniatur-Ozean und flaches Marschland. So kam es trotz des üppigen Platzangebotes zur Hungersnot und Destabilisierung des Ökosystems.
  • Die aufwändige Landwirtschaft mit Ziegen, Schweinen und Hühnern bewährte sich nicht. Was ja auch logisch ist, denn so viele Tiere und Menschen auf so kleinem nutzbarem Raum (wenn man die Wüstenflächen, Sumpfgebiete, den Regenwald und das Meer abzieht) kommen in der Natur nicht vor. Auch der Reis- und Getreideanbau sind keine nachhaltigen Permakulturen, sondern erosive Anbaumethoden, die nicht nur viel Fläche brauchen, sondern das Bodenleben schädigen.
Biosphere2, Foto (C) Thomas / flickr

Biosphere2, Foto (C) Thomas / flickr

 

Bios 1, 2 und 3 in Krasnorjask, Sibirien

Das Projekt in Arizona erregte mehr internationale Aufmerksamkeit, war aber nicht das erste seiner Art. Die sowjetische Regierung forschte bereits viel früher an autonomen Überlebensinseln, die für extraterrestrische Kolonien geeignet sind. Sie waren jedoch minimalistisch gedacht und daher wesentlich kleiner. Bios 3 dauerte von 1965 bis 1972 und war das Nachfolger-Projekt von Bios 1 (1965) und Bios 2 (1968). Auch später, bis 1984, wurden weitere Versuche gestartet. Das Gebäude von Bios 3 war mit 315 Kubikmetern für maximal drei Personen konzipiert. Der Sauerstoff wurde mit Chlorella-Algen bereitgestellt. Es erfolgten insgesamt 10 Experimente mit unterschiedlichen Personen, die es maximal 180 Tage lang aushielten. Die autarke Lebensmittelversorgung reichte nicht aus. Wasser und Algen-Nahrung mussten von außen zugeführt werden. Das Ökosystem kippte, weil die Algen bewirkten, dass die Nutzpflanzen abstarben.

 

Erkenntnisse

  • Das Überleben des Menschen hängt vom Gleichgewicht der Pflanzenwelt ab.
  • Die Natur ist anpassungsfähig und sucht sich einen Weg, um ins Gleichgewicht zu kommen. Dass dabei Arten aussterben, muss in Kauf genommen werden.
  • Man hätte mehr mit der Natur zusammenarbeiten müssen, statt ihr ein bestimmtes Konzept aufzudrängen.
  • Solange der Mensch nicht fähig ist, die Erde zu bewohnen, ohne sie zu schädigen, ist er wohl nicht reif für die Besiedelung von anderen Planeten.

 

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Irmgard Brottrager, Dipl.Ing. für Architektur und Innenarchitektur,

Ganzheitliche Raum-Gestaltung und Europäisches Fengshui 

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Literatur-Übersicht

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