Wald kann wesentlich mehr sein als die übliche Ansammlung von wilden Bäumen, die forstwirtschaftlich gezähmt wird. Durch Kombinationen mit menschlichen Nutzungen ergeben sich vielfältige Kulturformen.

Freizeitwald mit Waldweg Foto (C) Filip Stepien / flickr

Freizeitwald mit Waldweg Foto (C) Filip Stepien / flickr

 

Angeregt durch das Buch von Conrad Amber „Bäume auf die Dächer – Wälder in die Stadt!“ möchte ich hier einige interessante Sondernutzungen für Bäume und Wälder vorstellen. Wälder sind relativ geschlossene Ökosysteme in Form von Inseln in der Kultur-Landschaft oder zusammenhängenden Netzwerken, die größere Flächen umspannen. Sie entstehen auch ohne Zutun des Menschen und stellen die urwüchsige Vegetation auf dem Festland unseres Planeten dar. Nicht alle der vorgestellten Nutzungsarten sind gleichermaßen ökologisch wertvoll, aber besser als gar kein Baumleben. Sie bereichern die Palette der landschaftsplanerischen Möglichkeiten und tragen zu größerer Vielfalt bei.

Hutewald (Waldweide)

Der Hutewald ist ein Laubwald mit hohem Anteil an Lichtungen, der als Weidefläche genutzt wird für Rinder, Schafe, Schweine, Pferde, Gänse und Ziegen. Die Tiere fressen hier nicht nur Gras, sondern auch Kräuter, Blätter, Eicheln und was es sonst noch so gibt.

Schneitelwald

Niederwald aus Hecken und niedrigen Bäumen für die Brennholz- und Tierfutter-Produktion. Vor allem die Esche ist gut geeignet und treibt immer wieder aus, wenn sie zurückgeschnitten wird. Die nachwachsenden jungen Triebe und Blätter werden regelmäßig abgeerntet.

Kopfweiden, Korbweiden

Durch radikale Kronenschnitte entwickeln Weidenbäume einen Besenwuchs und produzieren lange Weidenruten für die Korbflechterei.

Baumplantagen

Künstlich angelegte Baum-Plantagen sind traurige Monokulturen zur Gewinnung von Biomasse, Energieholz, Christbäumen und anderen Holzmaterialien. Um sie maschinell bewirtschaften zu können, werden sie rasterförmig angelegt wie konventionelle Obstplantagen. Um das ökologische Gleichgewicht nicht zu gefährden, sollten sie nur auf kleinen Äckern vorkommen. Solange sie nur in Baumschulen und für die Eigenversorgung mit Brennmaterial gezüchtet werden, besteht wenig Gefahr, dass sich Ungeziefer ausbreitet.

Erntewald und Waldgarten

Wälder aus Obst- und Nussbäumen, ergänzt mit passenden Sträuchern, Rankpflanzen, Bodendeckern, Pilzen, Kräutern und schattenverträglichen Gemüsesorten sind ebenfalls künstlich angelegt, können jedoch sehr naturnah gestaltet sein mit hoher Biodiversität.

Urwälder und Naturparks

sind in Naturschutzgebieten üblich, aber auch als keinräumige Inseln und Streifen zu empfehlen, um der Natur Erholungsflächen einzuräumen. Sie werden nur im Zaum gehalten, aber nicht gepflegt.

Botanischer Lehrwald

Kleine, gemischte Wälder mit Beschilderung und Erläuterung der Baumarten sind eine Mischung aus Erholungspark und Kulturwald.

Alleen

sind straßenbegleitende Baumzeilen, die nicht nur in der Stadt, sondern auch auf dem Land die Landschaft prägen und für zusammenhängende Grünstreifen sorgen. Sie können aus gleichen oder unterschiedlichen Baumarten bestehen, beschnitten oder weitgehend naturbelassen sein.

Geomantische Haine

Natur-Heiligtümer mit spirituellen Ausrichtungen können die Gestalt von Kreisen annehmen oder von Formen der Heiligen Geometrie. Sie wachsen auf wichtigen geomantischen Plätzen und stehen in Bezug zu anderen energetischen Brennpunkten.

Kübelbäume

für Pflanztröge, Dächer und Terrassen sind mobil. Sie können verliehen werden und als Kulturbäume bei Veranstaltungen zum Einsatz kommen. Kübel sind außerdem notwendig für mediterane Arten, die ein frostfreies Winterquartier benötigen. Ganze „Kübelwälder“ sieht man gelegentlich bei herrschaftlichen Schlossanlagen und in größeren Gastgärten.

Streuobstwiesen

mit möglichst unterschiedlichen Baumarten, sind eine Form von Nutzwald, die gerade eine Renaissance erfährt, nachdem immer mehr Menschen Lust auf Selbstversorgung bekommen.

Baumhecken

eignen sich für Natur-Hecken von mehr als drei Meter Höhe. Schnittfeste Baumarten wie Hainbuchen und Holunder sind besonders geeignet.

Dach- und Hochhaus-Bäume

Für Flachdächer eignen sich nur relativ kleine Bäume mit flachen Wurzeln und langsamem Wachstum. Um sie besser zu verankern, kann man die Wurzeln mit Stahlgittern in Betontrögen befestigen. Dachbegrünungen mit Bäumen sind üblich auf Tiefgaragen und Parkdecks. Isolierte und eingezwängte Bäume haben jedoch keine lange Lebenserwartung.

Spalierbäume

sind eine Alternative auf Flächen, wo eigentlich kein Platz ist für Bäume. Die Spaliere können freistehend oder mit Abstand vor Hausmauern angeordnet sein. Die Erhaltung ist pflegeintensiv.

Hausbäume

stehen direkt neben Privathäusern und Gasthöfen. Sie haben eine schützende Funktion und tragen oft auch Früchte.

Kirch- und Dorf-Bäume

Zu jeder Kirche, jeder Kapelle und zu jedem Dorfplatz gehört mindestens ein Baum, bessere eine Baumgruppe, die den Ort als Zentrum markiert und abgrenzt.

Natur- und Erholungsparks

sind Wälder in Kombination mit Bächen, Quellen, Salzwerken, Grotten, Felsen, Findlingen und anderen Natur-Elementen mit Erholungswert.

Camping-Wald

Lichter Hochwald für Zelte und Wohnwägen, zum Beispiel mit schnellwüchsigen Birken.

Wald-Bäder

Öffentliche Badeanstalten oder Kneipp-Stationen mit Liegewiesen und Sitzplätzen im Wald.

Weidewald-Bureau of Land Management-flickr

Weidewald-Bureau of Land Management-flickr

 

Waldfriedhöfe

gibt es grundsätzlich in zwei Formen: Erstens als gewöhnliche Friedhöfe mit Grabsteinen unter Bäumen. Und zweitens als Ersatz für die Urnenbestattung, wobei die Asche unter den Bäumen verstreut wird. Es kann auch die ganze Urne unter dem Baum eingegraben werden.

Fitness- und Freizeitwälder

sind überschaubare Haine oder felsige Waldstücke kombiniert mit Sportanlagen, Fahrradwegen, Kletteranlagen und Sitzbänken. Die starke Beanspruchung durch Jogger, Biker und spielende Kinder ist nicht ideal für den Waldboden und für die Tierwelt, aber in kleinem Umfang vertretbar.

Korridorwälder

sind breiter als Alleen und mit bekiesten oder gestampften Naturwegen kombiniert. Sie dienen der unmotorisierten Fortbewegung ebenso wie für Sport- und Erholungszwecke.

Bann- und Schutzwälder

schützen gegen Lawinen, Sturm, Steinschlag, Sonneneinstrahlung, Austrocknung, Überschwemmung und Erosionen (Abtragung von Humusschichten). Sie dienen außerdem zur Sicherung von Böschungen und Hängen gegen Erdrutsch. Flachwurzler wie Fichten sind nicht geeignet.

Ufer-, Moor- und Auwälder

sind die natürlichen Begleitstreifen neben Flüssen und Bächen sowie die Urwald-Dschungel in breiteren Überschwemmungszonen, wo sich die Gewässer ausbreiten können. Sie stehen zeitweise unter Wasser und bestehen aus speziellen Baumarten, die mit dem feuchten Boden zurechtkommen. Sie werden in der Regel nicht gepflegt, sondern nur im Zaum gehalten. Auch jedes künstliche Gewässer sollte einen bewaldeten Saum besitzen. Die Randstreifen erfüllen vor allem wassertechnische Funktionen (Uferbefestigung, Schutz vor Hochwasser) und sind wichtig für die Artenvielfalt.

 

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Irmgard Brottrager, Dipl.Ing. für Architektur und Innenarchitektur,

Ganzheitliche Raum-Gestaltung und Europäisches Fengshui 

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Literatur-Übersicht

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