Ist der Mensch wirklich ein Allesfresser? Von Natur aus wahrscheinlich nicht, weil sich Fleisch ohne Feuer und Werkzeuge nicht zubereiten lässt. Aber es gibt auch viele andere Indizien, die darauf hindeuten, dass Fleisch nur eine Notnahrung ist.

Eindeutig KEIN Allesfresser-Gebiss! Foto (C) Rupert Taylor-Price / flickr

Eindeutig KEIN Allesfresser-Gebiss! Foto (C) Rupert Taylor-Price / flickr

 

Ein neues Youtube-Video von „Heile dich und Mutter Erde“ ist der Anlass, um der Sache näher auf den Grund zu gehen. Schon lange frage ich mich, ob die vielen Unstimmigkeiten bei den Ernährungsexperten nicht vielleicht damit zu tun haben könnten, dass die Nahrungsmittel, über die wir diskutieren, weit von dem entfernt sind, wofür der menschliche Körper geschaffen ist. Was war die ursprüngliche Nahrung des Menschen – abgesehen von dem, was uns in den Geschichtsmärchen erzählt wird? Nachfolgend der Versuch einer Klassifizierung der natürlichen Anlagen des Menschen im Vergleich mit Fleischfressern, Grasfessern, Fruchtfressern und Allesfressern.

 

Merkmale von Raubtieren und fleischfressenden Säuge-Tieren

Beispiele: Wildkatzen, Füchse, Luchse, Wölfe, Löwen.

Gebiss: Spitze Schneidezähne und spitze Reißzähne, um die rohen Fleischfasern zerfetzen zu können, inklusive Fell, Knochen und Innereien. Lange, vorstehende Fangzähne, um die Beute packen zu können. Scherenbiss zum Festhalten von zappelnder Beute.

Kiefer: Kräftiger, ausladender Unterkiefer und vorstehende Schnauze. Mahlende Seitwärts-Bewegungen sind nicht möglich. Die Beute wird nicht gekaut, sondern nur wenig zerkleinert verschlungen. Die Zähne sind so scharf, dass sogar Knochenstücke zerbissen werden können.

Verdauungstrakt: kurzer Darm (ungefähr 3-6 Mal so lang wie der Rumpf) mit glatten Innenwänden und schnelle Verdauung. Ein Katzendarm ist nur 2 Meter lang.

Magensäure und Speichel: Die Magensäure ist sehr aggressiv, weil sie die gesamte Verdauungsarbeit leisten muss. Auch der Speichel ist sauer.

Sinnesorgane: Augen vorne liegend und eher eng stehend. Ausgeprägter Geruchssinn, um Beutetiere aufspüren zu können. Die Nase sitzt ganz vorne und direkt über dem Oberkiefer. Lange, aerodynamisch geformte Ohren. Sehr schneller Bewegungsapparat, der blitzartig reagieren kann. Lauernde, witternde Körperhaltung mit konzentriertem Blick. Die Tiere streifen gerne herum und halten die Schnauze auf den Boden, um Spuren zu finden.

Sohlen, Nägel, Krallen: Scharfe, kräftige, spitze Klauen in Hakenform.

Gelüste: Appetit beim Anblick von lebenden Beutetieren wie Mäusen und Vögeln. Vorliebe für Knochen und Blut. Kein oder wenig Appetit bei pflanzlichen Nahrungsangeboten.

 

Junger Fuchs, Foto (C)Alias 0591 / flickr

Junger Fuchs, Foto (C)Alias 0591 / flickr

 

Merkmale von laub- und grasfressenden Tieren

Beispiele: Pferde, Kühe, Ziegen, Schafe, Rehe, Hirsche, Kamele.

Gebiss: Lücke hinter den Schneidezähnen (als Laderaum für das Gras) und breite Mahlzähne.

Kiefer: Ausladender Kiefer und abgerundete Schnauze.

Verdauungstrakt: Sehr langer Darm (beim Rind zirka 20 Mal so lang wie der Rumpf) und entsprechend großer Bauch. Vierteiliger Magen bei Wiederkäuern.

Sinnesorgane: Die Augen liegen weit auseinander und erlauben Blicke zur Seite. Die Tiere stehen viel herum und die Bewegungen sind eher behäbig, sofern keine Flucht erforderlich ist. Die meisten Arten tragen Hörner und der Kopf ist verhältnismäßig groß.

Sohlen, Nägel, Krallen: Hufe an den Füßen, um die Standfestigkeit zu gewährleisten.

Gelüste: Appetit auf Kräuter, Knospen und junge Triebe.

 

Merkmale von allesfressenden Tieren

Beispiele: Schweine, Bären, Allesfresser-Affen

Gebiss: Allesfresser haben keine harmonischen, runden Zahnbögen, sondern ausgeprägte Eckzähne und spitze Backenzähne. Wildschweine besitzen sogar lange, vorstehende Hauer, ebenso wie Braunbären.

Kiefer: Vorstehende Schnauze mit kräftiger Kinnlade.

Verdauungstrakt: Der Schweinedarm hat eine Länge von 20 bis 27 Metern.

Sinnesorgane: Flinker, flexibler und lernfähiger als Weidetiere, aber träger als reine Fleischfresser. Affen und Bären können sich aufrichten und zugreifen.

Gelüste: Vorrangig Appetit auf Pflanzen-Abfälle und Kleintiere. Nur angriffslustig, wenn sie ausgehungert sind.

 

Merkmale von fruchtfressenden Säuge-Tieren

Beispiel: Menschenaffen, Pandabären.

Gebiss: Ähnliches Gebiss wie beim Menschen, jedoch spitzere Eckzähne.

Kiefer: Kurze Schnauze mit flachem Nasenhügel auf dem Oberkiefer. Unterkiefer abgerundet.

Verdauungstrakt: Keine vergleichbaren Angaben möglich. Die meisten Frugivoren sind keine Säugetiere, sondern Vögel.

Sinnesorgane: Relativ lange Beine und Greifarme, um höher gelegene Früchte zu erreichen. Geschickte Kletterer. Runder Kopf und tief liegende Augen. Die Tiere sind gerne in Bewegung, aber langsam und verspielt.

Sohlen, Nägel, Krallen: Greifhände mit relativ schwachen, abgerundeten Nägeln.

Gelüste: Appetit auf reife Früchte. Notfalls auch Blätter, Blüten, Knollen, Pilze, Samen und Nüsse. Tiere, die ausschließlich Früchte essen, gibt es kaum, weil das Angebot nicht entsprechend ist. Im Gegensatz zu den Allesfressern bevorzugen sie frische Nahrung direkt vom Baum und nicht vom Boden.

 

Merkmale von Menschen

Gebiss: 8 flache Schneidezähne, 4 leicht zugespitzte Eckzähne und flache 20 Backenzähne mit Grübchen. Die Zähne sind nicht geeignet, um rohes Fleisch zu reißen und zu verkleinern.

Kiefer: Die Kiefer-Spitze liegt ungefähr auf der gleichen Ebene wie die Stirnpartie (vertikal gesehen). Der Mund ist relativ klein und nur für zerkleinerte Lebensmittel geeignet. Was sich nicht abbeißen lässt und im Ganzen nicht in den Mund schieben lässt, ist ohne Besteck nicht genießbar. Rotes Fleisch von älteren Tieren muss in der Regel vorgeschnitten werden, weil wir die zähen Fasern mit den Zähnen nicht zerlegen können. Fleisch wird im Mund nur kurz angekaut und dann geschluckt. Unser Speichel ist nicht geeignet, die Fasern in Brei zu verwandeln.

Verdauungstrakt: langer Darm (ungefähr 7 bis 8 Meter) mit faltiger Oberfläche (Darmzotten) und langsame Verdauung (mehrere Stunden bis 2 Tage). Der Nahrungsbrei wird im Darm nachverdaut. Bei Fleisch kann die Verdauung bis zu 5 Tage lang dauern. Zu den am schwersten verdaulichen Lebensmitteln gehören: Schweinefleisch, Käse und Vollmilchprodukte. Grundsätzlich wird alles ausgeschieden, was der Körper derzeit nicht braucht oder nicht verwerten kann. Manche Rückstände können sogar jahrelang im Körper bleiben, wie bei Darmreinigungen festgestellt wurde.

Magensäure und Speichel: Die Magensäure ist so sauer wie bei Pflanzenfressern. Der gesunde Speichel ist nicht sauer, sondern basisch. Das Kauen und Einspeicheln ist wichtig, weil die Verdauung bereits im Mund beginnt. Fleisch ist in der Regel nur abgelegen und gegart genießbar (von rohen Fischen und anderen Ausnahmen abgesehen).

Sinnesorgane: Weder die Augen noch die Ohren können schnell reagieren. Die Nase ist verglichen mit Schnüffeltieren wenig empfindsam. Wir können keine Fährten lesen und unsere Mitmenschen nicht am Geruch erkennen. Alles in allem sind die Sinne zu langsam und unscharf, um Raubtiere angreifen zu können oder vor Raubtieren flüchten zu können. Wir besitzen ausgeprägte Greifarme und bevorzugen eine aufrechte Körperhaltung. Stundenlanges Bücken fällt uns schwer.

Sohlen, Nägel, Krallen: Die Finger- und Zehennägel des Menschen sind flach und nicht stabil genug, um eine zappelnde Beute festzuhalten. Die Fußsohlen sind zum Stehen und Gehen geeignet, aber nicht zum schnellen Laufen über längere Strecken.

Gefühle und Gelüste: Starke Hemmungen, Lebewesen, die größer als Insekten sind, eigenhändig zu töten. Abneigung gegen rohes Fleisch und frisches Tier-Blut. Mitgefühl mit Tieren und unangenehme Gefühle beim Beobachten von Schlachtungen. Die Gelüste werden oft von Suchtverhalten bestimmt und können daher sehr unterschiedlich sein.

 

Fazit

Was wir roh nicht verzehren können, scheint nicht das Wahre zu sein. Denn wenn es stimmt, dass unsere Vorfahren kein Werkzeug hatten und auch kein Feuer, kann unsere Urzeit-Nahrung nur aus Produkten bestehen, die man mit der Hand abpflücken, aufbrechen und in den Mund schieben kann. Somit scheiden auch zähe Pflanzenfasern aus, die wir bestenfalls lutschen, auszuzeln und ausspucken können. Früher gab es auch keine Gewürze, mit denen man Mehl- und Fleischwaren aufpeppen konnte, um sie schmackhaft zu machen.

Der Mensch ist mit Sicherheit kein Raubtier, sondern im Notfall ein Aas-Fresser und Kräuter-Fresser. Im Normalfall jedoch muss man davon ausgehen, dass der Mensch ein Weichkost- Fruchtfresser ist, der nicht mal Gräser und Rinden schafft. Im Mittelalter lag der Pro-Kopf-Verbrauch von Fleisch angeblich bei über 100 Kilogramm – deutlich mehr als heutzutage. Die Lebenserwartung betrug allerdings nur 40 Jahre. Scheint also nicht das Paradies gewesen zu sein, an dem wir uns orientieren können!

 

 

 

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Irmgard Brottrager, Dipl.Ing. für Architektur und Innenarchitektur,

Ganzheitliche Raum-Gestaltung und Europäisches Fengshui 

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Literatur-Übersicht

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