Der Begriff „nachhaltig“ wird sehr inflationär benutzt für jede Art von ökologischem Ansatz. Doch das beliebte Schlagwort hat eigentlich eine viel umfassendere Bedeutung. 

Foto (C) Kevin Dooley / flickr

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„Nachhaltig“ bedeutet heute nur noch, dass jemand, der diesen Begriff verwendet, ein gewisses ökologisches Bewusstsein hat und als umweltfreundliche Person (bzw. Marke oder Firma) gesehen werden möchte. De facto handelt es sich um eine sehr oberflächliche und unverbindliche Worthülse, die zu nichts verpflichtet. Sie steht meist im Widerspruch zu wirtschaftlichen Interessen, die auf ewiges Wachstum abzielen. Mit ernst gemeinter Nachhaltigkeit kann man kaum Geld verdienen. Denn etwas, was nachhaltig ist, verursacht wenig Kosten. Nachhaltig ist etwas, wenn es lange anhält und nicht nur schnelle Vorteile verschafft, sondern sich auch längerfristig positiv auswirkt. Um nachhaltig denken zu können, muss man den Lebenszyklus eines Gegenstandes vollständig zu Ende denken, weit über die Amortisationszeit hinaus. Man muss also vorausschauend planen und handeln und alle Folgen ins Auge fassen, die sich aus der Herstellung und Nutzung eines Gegenstandes ergeben.

 

Je nachhaltiger, umso teurer?

Es ist keineswegs so, dass ein nachhaltiger Lebensstil komplizierter, teurer und aufwändiger sein muss als die herkömmliche Lebensweise. Das ist nur eine Masche, um trotz Nachhaltigkeit den Umsatz zu erhöhen und das Wirtschaftssystem nicht zu gefährden. Was eigentlich normal sein sollte, wird so zum Luxusgut, das sich nicht jeder leisten kann. Wer weiter konsumieren möchte wie gewohnt, nur „bio“, muss tatsächlich mit einer Verdoppelung seiner Ausgaben rechnen. Nicht alles, was aus Bio-Anbau stammt, mit der Hand gefertigt wurde oder ein Öko-Zertifikat besitzt, ist nachhaltig. Produkte mit Öko-Siegel sind ein Geschäftszweig wie jeder andere auch und haben nicht direkt etwas mit Nachhaltigkeit zu tun – abgesehen davon, dass in Bio-Lebensmitteln bis zu 5% nicht ökologisch erzeugte Zutaten enthalten sein dürfen. Wer einen Bio-Betrieb aus eigener Erfahrung kennt, weiß, dass es nicht viel Natürliches zu sehen gibt. Meist handelt es sich genauso um Monokulturen mit überzüchteten Sorten wie in konventionellen Betrieben. Und gespritzt wird auch, nur mit weniger giftigen Chemikalien.

 

Nachhaltigkeit in der Vergangenheit

Was Nachhaltigkeit bedeuten kann, erkennen wird, wenn wir mindestens zwei Generationen zurückschauen. Früher hielten Textilien nicht nur ein Leben lang, sondern man hat sie sogar noch vererbt und umgenäht. Heute kauft man sich jede Saison eine neue Garderobe – falls die schäbigen Klamotten überhaupt mehrere Waschgänge überstehen. Wolle, die nicht fusselt, scheint nicht mehr herstellbar zu sein. Auch warme Kleidung ist Mangelware, weil im Winter fast alle Räume und Fahrzeuge klimatisiert sind. Gefütterte Winterstiefel, Thermohosen und dicke Pullover sind in normalen Läden nicht mehr zu bekommen. Nachhaltigkeit hat früher bedeutet, dass man tatsächlich weniger Ressourcen verbraucht hat und die Dinge viel länger genutzt hat. Heute ist Nachhaltigkeit nur mehr ein Modewort, um Energiespar-Produkte zu bewerben. Echte Nachhaltigkeit ist mehr als nur Energie-Effizienz, sondern hat immer einen LANGFRISTIGEN und GANZHEITLICHEN Aspekt.

 

Foto (C) Kevin Dooley / flickr

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Merkmale von echter Nachhaltigkeit

  • Dauerhaftigkeit und Langlebigkeit.
  • Verlängerung der Nutzungsdauer durch Instandhaltung, Reparatur, Upcycling und Recycling.
  • Geringer Verbrauch von Ressourcen.
  • Vollständig biologisch abbaubar.
  • Geringer Energieaufwand vom Rohstoff bis zur Entsorgung.
  • Erneuerbare und austauschbare Bestandteile.
  • Vielseitig nutzbar.
  • Hinterlassen einer intakten Umwelt für die nachfolgenden Generationen.
  • Der Natur nicht mehr entnehmen, als wieder nachwachsen kann.
  • Keine Pflanzen zerstören durch rücksichtsloses Ernten.
  • Kreislaufdenken statt linearem Denken.
  • Weitreichendes Handeln, vorausschauendes Planen, Herstellungsprozesse bis zum Ende durchdenken.
  • Nicht mehr Bäume fällen als nachwachsen können.
  • Regionalität: Produkte und Firmen aus der direkten Umgebung.
  • Gesundheit für Mensch und Tier.
  • Flexibel und anpassungsfähig an geänderte Ansprüche.
  • Kreativer Umgang mit dem Bestand.
  • Gebrauchtes kaufen und weitergeben.
  • Minimalistischer und naturnaher Lebensstil.
  • Verzicht auf Überflüssiges wie Kosmetik, Schmuck, Statussymbole und Duplikate.
  • Schenken, Tauschen und Teilen statt Anschaffen, Horten und Besitzen.
  • Nachbarnetzwerke.
  • Fortbewegung zu Fuß, mit dem Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln.
  • Arbeiten zu Hause.
  • Car-Sharing.
  • Unbehandelte Lebensmittel, roh und naturbelassen.
  • Saison-Produkte.
  • Geschickte Nutzung aller vorhandenen Ressourcen.

 

Beispiele für mangelnde Nachhaltigkeit

  • Produkte, die schnell kaputt gehen, veraltern oder aus der Mode kommen.
  • Substanzen, die die Umwelt belasten oder sogar vergiften.
  • Abbau von Rohstoffen, die nicht nachwachsen.
  • Jedes Jahr ein neues Handy-Modell.
  • Auch Naturmaterialien können unnachhaltig sein: Natursteine, für die ganze Berge abgetragen werden müssen. Leder und Felle aus Tierhäuten. Hornmehl aus Tierhörnern zum Beispiel.
  • Tierprodukte sind allgemein viel aufwändiger als pflanzliche Produkte.
  • Plantagen mit schädlicher Umweltbilanz wie Ölpalmen und Avocados.
  • Lange Transportwege.
  • Ausbeutung der Natur (Rodungen von Regenwäldern, Aufbrauchen von Bodenschätzen, Leerfischen von Gewässern, Ausrotten von Tierarten)
  • Grenzenloses Wachstum und ständige Zunahme des Verbrauches.
  • Wegwerf-Produkte wie Verpackungen und Einwegrasierer.
  • Materialien, die schwer zu trennen sind oder nicht in den üblichen Wertstoff-Sammeltonnen entsorgt werden dürfen.
  • Fernreisen mit dem Flugzeug.
  • Fahrten mit dem PKW ohne Mitfahrer.
  • Tägliches Pendeln zum Arbeitsplatz.

 

Mangelnde Nachhaltigkeit im Bauwesen

  • Betonbauten, die nur mit viel Energieaufwand abgerissen werden können.
  • Verbund-Materialien, die sich nicht trennen lassen.
  • Jede Verwendung von Schotter, Sand und Natursteinen (Berge wachsen nicht so schnell nach, wie sie abgebaut werden).

 

Nachhaltige Beispiele im Bauwesen

  • Geringer Flächenverbrauch.
  • Minimale Versiegelung des Bodens.
  • Maximale Erhaltung des natürlichen Lebensraumes für Pflanzen und Tiere.
  • Gewässer-Schutz: Keine Begradigungen, natürlicher Uferbewuchs.
  • Optimaler Bauplatz: windgeschützt und ohne Verschattungen.
  • Schadstoffarme Farben und Anstriche.
  • Schnellwüchsiger Bambus und nachwachsende, heimische Holzarten.
  • Dämmungen aus Altpapier.

 

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Irmgard Brottrager, Dipl.Ing. für Architektur und Innenarchitektur,

Ganzheitliche Raum-Gestaltung und Europäisches Fengshui 

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Literatur-Übersicht

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