Das anonyme Wohnen hat seine Vorzüge, aber gemeinsam geht vieles leichter. Das Internet macht es möglich, Menschen aus der Umgebung kennen zu lernen, ohne sich aus dem Haus zu bewegen.

Nicht jeder Nachbar muss der beste Freund sein, aber mit guten Nachbarbeziehungen lebt es sich leichter. Foto (C) Werkheim / flickr

Nicht jeder Nachbar muss der beste Freund sein, aber mit guten Nachbarbeziehungen lebt es sich leichter. Foto (C) Werkheim / flickr

 

Wer bisher gerne auf Nachbar-Kontakte verzichten konnte, wird denn Sinn dieser Bestrebungen vielleicht nicht auf Anhieb verstehen. Zwar kann ein gesunder Mensch gut ohne Nachbarn auskommen, aber nur wenn man die Nachbarn kennen lernt, lassen sich Kooperations-Möglichkeiten entdecken. Zu wissen, dass man nicht alles kaufen muss, sondern auch was ausborgen kann, Erfahrungen mit Handwerkern teilen kann und jemanden hat, der die Kinder hütet und auf den Hund aufpasst, ein Paket entgegennimmt oder gerne mal tragen hilft, wenn was Schweres zu transportieren ist, kann das Leben nicht nur leichter, sondern auch kostengünstiger machen. Es ist schade, wenn man überhaupt nicht weiß, was die Nachbarn zu bieten haben oder gerne hätten. Die Wiederentdeckung der Regionalität, der kleinräumigen Reviere und der Liebe zur Heimat, die oft diffamierend als fremdenfeindliche Gesinnungen ausgelegt werden, ist eine natürliche Gegenbewegung zur heimtückischen Weltregierung durch die Kartelle und Finanz-Eliten. Immer mehr Menschen bemerken, dass sie viel weniger konsumieren müssen, wenn sie nicht nur für sich selber sorgen, sondern auch ihre direkten sozialen Kontakte zu nutzen wissen.

 

Das Internet erleichtert die soziale Anbahnung

Das Zettel-Chaos am schwarzen Brett ist ja keine Lösung. Meist sind private Aushänge in Gemeinschaftshäusern sogar verboten, so dass man über die Pinnwände nicht kommunizieren kann. Ja, aber warum kommt man nicht einfach ins Gespräch, wenn man einander über den Weg läuft? Haben wir verlernt, uns wie soziale Wesen zu verhalten? Man geht in größeren Städten davon aus, dass jeder seine Ruhe haben will und die Wahrung der Privatsphäre wichtiger ist als das gesellige Miteinander. Im Internet muss keiner belästigt werden, sondern wer Kontakt möchte, kann sich als Mitglied eintragen und direkt nach geeigneten Tauschpartnern suchen. Es gibt keine Hemmschwelle und man braucht keine Zeit, um sich langsam Kontakte aufzubauen. Kooperation ist schließlich auch Vertrauenssache, denn wer Gegenstände verborgt oder seine Kinder betreuen lässt, will seine Schätze in guten Händen wissen. Da ist es von Vorteil, wenn es klare Vereinbarungen gibt. Das Netzwerk im Hintergrund vermittelt einen gewissen sozialen Halt. Falls was schief laufen sollte, gibt es andere Menschen, die helfend einspringen und man kann seine Erfahrungen offen mitteilen.

 

Hundesitting ist eine typische Nachbar-Hilfeleistung. Foto (C) Barney Moss-flickr

Hundesitting ist eine typische Nachbar-Hilfeleistung. Foto (C) Barney Moss-flickr

 

Nachfolgend eine kurze Vorstellung von zwei österreichischen Netzwerken:

Zeitbank Telfs

„ZEITBANK – Die neue Form der Nächstenhilfe“ lautet der genaue Titel der Internet-Plattform, die Menschen in der Nordtiroler Gemeinde Telfs und deren Umgebung anspricht. Die Marktgemeinde hat über 15.000 Einwohner und liegt im Inntal, in der Nähe von Innsbruck. Das Netzwerk wird von einem Gemeinnützigen Verein getragen, der im Zeichen der Nächstenliebe agiert. Alle Leistungen zählen gleich viel und werden in Stunden verrechnet. Es gibt allerdings kein Geld als Belohnung, sondern nur den Anspruch auf Gegenleistungen im selben Zeitausmaß. Jedes Mitglied hat ein Zeitbank-Konto, wo alle erbrachten und erhaltenden Leistungen gutgeschrieben werden. Jeder kann kleine Inserate mit seinen Angeboten und seinen Nachfragen schalten. Die Mitgliedschaft ist nicht ganz kostenlos, sondern es wird ein Mitgliedsbeitrag fällig. Geboten wird zum Beispiel der Tausch von kleinen Hilfsdiensten wie Babysitten, Pflanzenbetreuung und Haustier-Sitting während Abwesenheit, Mitfahrgelegenheiten, Verleih von Werkzeugen, Nachhilfestunden, Besorgungen im Krankheitsfall, Übernahme von Post-Paketen, Begleitung zu Veranstaltungen und so weiter.

 

FragNebenan.com

Dieses Online-Nachbarschafts-Netzwerk ist völlig kostenlos. Hier kann man sogar Menschen kennen lernen, die im gleichen Haus wohnen! Das ist vor allem sinnvoll in urbanen Umfeldern und in großen Gebäuden, wo man sonst nicht alle Nachbarn persönlich kennenlernen kann. Die Plattform wurde von einer Gruppe junger Menschen gegründet, die derzeit aus 11 Leuten besteht. Es gibt bereits erstaunlich viele Mitglieder. Über 50.000 sind es österreichweit nach zirka drei Jahren, davon über 3.000 in Graz. Die Idee kommt also an.

Die Rubrik „Zusammenleben“ liest sich allerdings ziemlich ermüdend. Dieser Bereich ist etwas für Leute, die Unterhaltung suchen. Der Nachteil ist hier, dass man sich alle möglichen fremden Probleme durchlesen muss, wenn man am Ball bleiben möchte. Dadurch wird das Leben nicht unbedingt leichter, sondern man fühlt sich wie eine Hausvertrauensperson, die mit allerlei Unzulänglichkeiten konfrontiert wird.

Unter „Hausordnung“ ist nachzulesen, dass respektvolle und freundliche Umgangsformen ohne Kritik und Herabwürdigungen erwartet werden. Außerdem ist ein authentisches Auftreten mit echtem Namen erwünscht. Auch die Adresse muss stimmen, weil man sonst nicht feststellen kann, ob jemand wirklich zur Nachbarschaft gehört. Werbung und diverse Beiträge, die nicht die Nachbarschaft betreffen, haben auf dieser Plattform nichts verloren. Im Gegensatz zu üblichen sozialen Netzwerken geht es hier um reale Kontakte und entsprechend sollte man sich benehmen.

Neben der Organisation von Veranstaltungen ist auch die Gründung von Interessensgruppen möglich, wo sich zum Beispiel alle Bewohner einer Großsiedlung austauschen können. Wer möchte, kann Kleinanzeigen aufgeben, um Gebrauchtwaren zu verkaufen oder zu verschenken. Interessant ist auch die Rubrik „Empfehlungen“, wo zum Beispiel nach guten Handwerkern, Tortenbäckern und Tagesmüttern gefragt wird. Unter „Deine Nachbarn“ sind alle Mitglieder aufgelistet, die sich in der Nähe befinden, inklusive Entfernungsangaben in Metern. Diese Funktion ist sehr praktisch, weil man ganz gezielt suchen kann, falls man jemanden braucht. Jedes Mitglied kann angeben, welche Leistungen es anbietet und welche Interessen vorhanden sind.

 

Weitere Netzwerk-Beispiele in Österreich:

„Netzwerk Nachbar“ in Tulln: Dieses Projekt wird von der Stadtgemeinde Tulln unterstützt.

„NachbarschaftsHILFE PLUS“ im Burgenland, ebenfalls mit Unterstützung von öffentlicher Hand.

Es gibt sicher noch viele mehr, natürlich auch in Deutschland und in anderen Ländern, die hier nicht alle vorgestellt werden können.

 

 

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Irmgard Brottrager, Dipl.Ing. für Architektur und Innenarchitektur,

Ganzheitliche Raum-Gestaltung und Europäisches Fengshui 

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Literatur-Übersicht

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