Derzeit gibt es noch viele leer stehende Objekte, die nach der Landflucht zurückgeblieben sind. Aber Selbstversorgung ist auch in der Stadt möglich. Zum Beispiel mit Wohnhäusern im Cottage-Stil, wie sie in England Tradition haben.

Alter englischer Cottage-Garten, Foto (C) Karen Roe / flickr

Alter englischer Cottage-Garten, Foto (C) Karen Roe / flickr

 

Die kleinen Cottage-Häuser wurden früher von einfachen Land-Leuten bewohnt, die den Garten für sich und ihre Tiere benutzten. Die romantischen Anlagen sind heute nicht nur für Künstler und Touristen interessant, sondern auch für moderne Aussteiger, die zu sich selbst und zur Natur zurück finden möchten. Auch in Wien gibt es mehrere Viertel mit Bürgerhäusern, die im Cottage-Stil errichtet wurden.

Stadt versus Land: Jedem das Seine!

In vielen Grenzregionen und verkehrlich nicht so gut vernetzten Regionen findet man leer stehende kleine Bauernhäuser, alte Mühlen oder größere Gehöfte, die auf eine neue Nutzung warten. Wer nicht zu Hause arbeiten kann und eine gute Infrastruktur benötigt, lebt allerdings in der Stadt günstiger. Wer nicht mobil sein muss, lebt am Land günstiger. Die Erhaltungskosten sind ungefähr gleich. Was in den Städten für die Hausverwaltung zu zahlen ist, wird am Land durch die höheren kommunalen Kosten (Grundsteuer, Kanal, Müllabfuhr usw.) ausgeglichen. Das Leben im Dorf lohnt sich nur, wenn man die Grünflächen gewinnbringend nutzt. Ansonsten fallen die höheren Verkehrskosten ins Gewicht. In der Stadt sind die Wege viel kürzer und die Kinder können die Schulwege alleine zurücklegen. Auf dem Land braucht fast jeder berufstätige Erwachsene ein eigenes Auto – und damit sind auch die 18-jährigen Jugendlichen gemeint, sobald sie ihren ersten Job haben. Das Familienleben und die Nachbarn spielen eine größere Rolle, weil man auf sie angewiesen ist. In der Stadt hingegen kann man auch anonym wohnen. Auf große Grünflächen und viel Privatsphäre müssen Städter meistens verzichten. Oft ist gar kein Stück Erde vorhanden, sondern höchstens eine Terrasse oder ein Balkon. Idealerweise wohnt jemand, der oft zu Hause ist und gerne im Garten werkelt, lieber am Land. Und jemand, der viel unterwegs ist und keinen Garten braucht, in der Stadt. Leider ist es oft umgekehrt: Städter sehnen sich nach einem Fleckchen Grün und überfrachten ihre winzigen Balkone und Hinterhöfe mit Pflanztöpfen. Während die Landbewohner ihre Gartengestaltung auf Rasen und Thujen beschränken und mit regem Verkehrsaufkommen für Ärger sorgen. Man kann natürlich auch beides haben in ländlichen Regionen, die sich in Stadtnähe befinden – um den Preis, dass die Städte im Pendler-Verkehr zu ersticken drohen.

Altes Backstein-Cottage mit Garten, Foto (C) Jon Bennett / flickr

Altes Backstein-Cottage mit Garten, Foto (C) Jon Bennett / flickr

 

Möglichkeiten am Land

Immobilien in Landgemeinden sind halb so teuer wie in kleinen Städten und kosten nur einen Bruchteil von dem, was in Großstädten zu bezahlen ist. Wenn man kein Auto benötigt, kann man allein durch die günstige Ortswahl viel Geld sparen. Doch nur wenige Personen können ihre Mobilität derart einschränken, um mit öffentlichen Verkehrsmitteln auszukommen. Je unberührter die Natur und je weiter weg die Zivilisation, umso ruhiger und beschaulicher kann das Leben sein. Aber auch umso reduzierter sind die realen Kontaktmöglichkeiten – auch wenn das Internet vieles wettmacht. Alle wichtigen Wege sollten fußläufig oder mit dem Fahrrad zu erledigen sein. Mit Fahrgemeinschaften, Kleinbussen und Sammel-Taxis lässt dich der übrige Mobilitätsbedarf abdecken. Wer aufs Land zieht, sollte sich seine Nachbarn genau ansehen, denn mit Abgrenzung kommt man hier nicht weit. Neue Ökodörfer und Gemeinden mit Alternativ-Währungen und Tausch-Ökonomien können das sonst eher magere Sozialleben in Schwung halten. Es ist wichtig, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen, Fragen stellen und alle Möglichkeiten auszukundschaften, um sich gegenseitig nützlich zu machen. Isoliert sein am Land ohne Infrastruktur ist ebenso teuer wie das beengte Leben in der Großstadt ohne kreative Spielräume. Der Erwerb von landwirtschaftlichen Flächen rechnet sich in der Regel nur, wenn man sie benutzt oder verpachtet, weil sonst Steuern, Pflegekosten und sonstige Abgaben anfallen. Sie sollten weder zu groß, noch zu winzig sein, sondern gerade richtig, um den Eigenbedarf zu decken. Familien-Landsitze, wie sie in den Anastasia-Büchern beschrieben werden und die in Russland üblichen „Datschas“ sind zirka 9000 m2 groß. Mit dieser Fläche kann sich jede Familie selbst versorgen. Veganer und Permakultur-Gärtner kommen auch mit weniger aus.

 

Möglichkeiten in der Stadt

In den Städten stehen selten Bauernhäuser leer, aber viele Geschäftslokale, Büroräume und ehemalige Gewerbebauten. Außerdem bieten die Dächer und Dachböden viel Potential, wenn es um den Zugewinn von Freiflächen und Grünraum geht. Viele Menschen besitzen leeren Wohnraum und wissen diesen nicht recht zu nutzen. Zu Eigenversorgung gehört nicht nur der Gartenbau, sondern auch die Vermietung von Zimmern ist eine Möglichkeit, um die Existenz zu sichern. Überflüssige Gartenflächen können ebenfalls vermietet oder verpachten werden. Die Selbstversorgung ist kaum möglich, solange man selber Miete bezahlt. Daher sollte man immer Eigentum anstreben, möglichst mit Wald und Garten – und sei es noch so klein. In der Stadt ist die Lage das wichtigste Kriterium für die Wohnqualität. Relativ ruhig sollte sie sein, ausreichend grün und doch gut angebunden an das öffentliche Verkehrsnetz. Häuser bieten natürlich wesentlich mehr Möglichkeiten als Wohnungen für Menschen, die ihre eigenen Vorstellungen umsetzen möchten.

 

Möglichkeiten für Nomaden

Bewohnbare Gartenhäuser, demontable Kleinhäuser, umgebaute Container, ehemalige Waggons und große Wohnwägen aus Holz sind nicht nur als Übergangslösungen geeignet, sondern auch für Menschen, die sich auf den Wohnort nicht ewig festlegen möchten. Wer etwas Gebrauchtes erwirbt, um eine Zeitlang darin zu wohnen, sollte möglichst nicht mehr investieren, als man bei einem etwaigen Verkauf wieder hereinbringt. Renovierungsbedürftige Häuser sind leichter zu verkaufen als überteuerte, denn Neubauwohnungen von der Stange gibt es genug. Das Herrichten von verwahrlostem Wohnraum kann ebenfalls eine Form von Eigenversorgung darstellen.

 

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Irmgard Brottrager, Dipl.Ing. für Architektur und Innenarchitektur,

Ganzheitliche Raum-Gestaltung und Europäisches Fengshui 

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Literatur-Übersicht

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