Warum neigen manche Menschen mehr dazu, Dinge zu horten als andere? Warum fällt ihnen das Loslassen besonders schwer? Kann es vielleicht an den Genen liegen?

Briefmarkensammlung, Foto (C) J`ram DJ / flickr

Briefmarkensammlung, Foto (C) J`ram DJ / flickr

 

Oh nein, das ist kein Witz! Es gibt nicht nur einen, sondern mehrere angeborene Triebe, die dem Ausmisten im Wege stehen. Wer mehr von diesen „Sammel-Genen“ mitbekommen hat, tut sich von Natur aus schwerer. Was sind das nun für Triebe?

  • Der Wunsch, das Revier zu markieren, es abzugrenzen und auszudehen.
  • Der Wunsch, sich Bereiche anzueignen. Eigentum hat schließlich einen hohen Stellenwert in materialistischen Gesellschaften. Die Strafen für Eigentumsdelikte sind oft höher als für Körperverletzungen.
  • Die persönliche Identifikation mit den Gegenständen, die man am Körper trägt und in Besitz nimmt. Die Gegenstände übernehmen die Schwingung ihrer Eigentümer. Es ist daher durchaus möglich, dass Informationen von den Vorbesitzern übertragen werden, wenn der Eigentümer wechselt. Und dies ist auch der Grund, warum man Wohnungen energetisch reinigt, wenn es sich um gebrauchte Immobilien handelt.
  • Der natürliche Sammeltrieb, um den Unterhalt zu sichern.
  • Der Trieb, Vorräte anzulegen für den Winter und Schlechtwetter-Perioden.
  • Ein gewisser Konkurrenztrieb nach dem Motto „Nur der Stärkere (Reichere, Größere) kann sich durchsetzen im Überlebenskampf.
  • Mangelgefühle und Existenzängste. Wer aus finanziellen Gründen sparen muss, wird eher zum Sammeln neigen als jemand, der sich keine Sorgen zu machen braucht. Daher sind es selten die Begüteten, die im Chaos versinken, sondern eher die Mittellosen.
  • Da die meisten Sammler ein männliches Geschlecht haben, darf man daraus schließen, dass Horten der Steigerung des Selbstwertgefühls dient, um das weibliche Geschlecht mit „Vermögen“ zu beeindrucken. Stichworte: Imponiergehabe, Hahnenkämpfe, Alpha-Männchen.
  • Die maskuline Lust am Entdecken, Jagen und Erbeuten.
  • Die kindliche Lust, neue Dinge anzugreifen, in den Mund zu schieben oder einzustecken.
  • Die Lust, möglichst hohe Türme zu bauen, um dann viel zerstören zu können.

Diese Triebe sind wahrscheinlich in jeden Mensch angelegt, aber sie können zum Problem werden, wenn sie übertriebene Ausmaße annehmen. Vor allem, wenn gleichzeitig gewisse Talente fehlen, die zum erfolgreichen Aufräumen gehören. Chaotisch veranlagte Menschen, die von Natur aus nichts auf die Reihe bekommen, sondern desorganisiert durchs Leben stolpern, sind für ordnende und planende Tätigkeiten nicht geboren. Auch der kreative Typ, der überall Potentiale sieht, neigt zum Sammeln, weil er die Gegenstände als Rohstoffe für seine Kreationen betrachtet.

 

Wie denken Menschen, die schwer loslassen können?

  • Ich könnte es noch mal gebrauchen.
  • Es hat was gekostet.
  • Es war viel Arbeit.
  • Es ist zu schade zum Wegwerfen.
  • Ich nehme alles und kann nicht Nein sagen.
  • Ich kann mich nicht entscheiden.
  • Es ist ein Teil von mir.
  • Ich habe es geschenkt bekommen und kann es daher nicht weggeben.
  • Man braucht Reserven. Sicher ist sicher. Doppelt hält besser und Mehr ist besser als Genug.
  • Ich fühle mich überfordert und möchte mir das viele Zeug gar nicht ansehen.
  • Ich tue was Gutes, indem ich Dinge aufhebe, die andere wegschmeißen.
  • Ich muss was hermachen und die anderen beeindrucken, denn sonst nehmen sie mich nicht ernst.
  • Macht kommt von „Machen können“ und nur wer viel hat, kann viel machen.
  • Einkaufen macht glücklich.
  • Es gibt Interessanteres. Ich möchte mich nicht damit beschäftigen.
  • Aufräumen ist Arbeit. Ich habe weder Lust noch Zeit dafür.
  • Es nutzt sowieso nichts. In einer Woche sieht es wieder ähnlich aus.
  • Nur wer viel hat, kann viel hergeben.
  • Da könnte ich noch mal was Schönes oder Sinnvolles daraus machen.
  • Das sind meine Lebenserinnerungen. Die kann ich nicht weggeben.
  • Das überlasse ich meinen Nachfahren.
Schmetterlinge-Sammlung, Foto (C) Justin Sewell / flickr

Schmetterlinge-Sammlung, Foto (C) Justin Sewell / flickr

 

Welche negativen Gefühle können beim Ausmisten hochkommen?

  • Verlustängste.
  • Abschied von vermeintlichen Erfolgen und Gewinnen.
  • Konfrontation mit verdrängten Lebensinhalten.
  • Unangenehme Erinnerungen.
  • Schwere Entscheidungen, die lange aufgeschoben wurden.
  • Viele Gedanken gehen durch den Kopf.
  • Müdigkeit.
  • Existenzängste.
  • Überforderung und Mutlosigkeit.
  • Schuldgefühle.

 

Welche positiven Gefühle können beim Ausmisten entstehen?

  • Erleichterung und Befreiung.
  • Stolz.
  • Zufriedenheit.
  • Wachsendes Selbstbewusstsein.
  • Zuversicht und neuer Mut.
  • Wohlbefinden.
  • Abnehmen fällt leichter.
  • Tatendrang und neue Ideen.
  • Zuwachs an Lebensenergie.

Sammeln und Loslassen verhalten sich wie Yin und Yang, Ebbe und Flut. Je mehr Wachstum in der Natur stattfindet, umso mehr Zerstörung muss sein, damit das Gleichgewicht erhalten bleibt. Je höher die Wellen, umso mehr Energie ist vorhanden. Es kann also nicht das Ziel sein, möglichst keinerlei Wellen zu schlagen, sondern den Zyklus zu vollenden. Wer viel sammelt, muss auch viel loslassen. Entfällt der Loslass-Prozess, wächst nichts Neues mehr nach. Aber auch Menschen, die die Dinge nicht zu schätzen wissen und daher wenig annehmen oder jederzeit alles loslassen, leben energetisch auf Sparflamme. Im Idealfall erreichen die Wellen des Nehmens und Gebens ein gesundes Maß, das weder überfordernd noch unterfordernd ist, sondern leicht bewältigt werden kann.

 

 

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Irmgard Brottrager, Dipl.Ing. für Architektur und Innenarchitektur,

Ganzheitliche Raum-Gestaltung und Europäisches Fengshui 

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Literatur-Übersicht

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