Man kann sie als künstliche Salz-Wasserfälle bezeichnen, wobei das Wasser nicht frei herunterfällt, sondern durch ein dichtes Dornengestrüpp rieselt. Sie wirken nicht nur wohltuend und erfrischend auf Geist und Seele, sondern auch heilsam auf den Körper.

Gradierwerk Hamm, Foto (C) Dirk Vorderstraße / flickr

Gradierwerk Hamm, Foto (C) Dirk Vorderstraße / flickr

 

Gradierwerke waren ursprünglich Anlagen zur Salzgewinnung, wenn die natürlichen Sole-Quellen in einer Saline einen zu geringen Salzgehalt aufwiesen. Mit der so genannten Tropfdorn-Gradierung wird der Salzgehalt einer Sole durch Verdunsten des Wassers erhöht. Unter Sole versteht man im Allgemeinen eine wässrige Salzlösung, wobei in einem Liter Wasser mindestens 14 Gramm Salz enthalten sein müssen. Durch Kochen und Verdampfen der Lösung oder Trocknen an der Sonne kann das kristalline Salz extrahiert werden. Beim natürlichen Verdunsten des Wassers an der frischen Luft erspart man sich den Energieaufwand für das Sieden der Flüssigkeit. Nachdem die positiven gesundheitlichen Neben-Wirkungen von Gradierwerken entdeckt wurden, verlor die Funktion der Salz-Gewinnung bald an Bedeutung. Bereits im 18. Jahrhundert entstanden beeindruckende Holz-Bauwerke an Kurorten, die zum Teil heute noch erhalten sind. Man nennt diese Kureinrichtungen umgangssprachlich immer noch „Salinen“, obwohl Salinen eigentlich nur Betriebe zur Salzgewinnung sind.

 

Die Technik ist 300 Jahre alt

Traditionelle Gradierwerke bestehen aus meterhohen, vertikalen Holz-Regalen, die bis obenhin mit dornigem Schwarzdorn-Reisig gefüllt sind. Sie werden auch heute noch an Kurorten gebaut und können mehrere hundert Meter lang sein. Für den Betrieb der Anlage wird Sole-Wasser in die Höhe gepumpt, oben auf dem Dach in Holzrinnen geleitet, von wo es über zahlreiche Düsen zerstäubt wrid und nach unten durch die Dornen rieselt. Unterirdisch ist ein Auffangbecken vorhanden, wo die Sole nach dem Verdunsten des Wassers in verstärkter Konzentration landet. Auf dem flachen Dach befinden sich Stege für die Wasserverteilung über die ganze Länge der Anlage. Im Laufe der Zeit bilden sind an den feinen Verzweigungen der Äste kristalline Salz-Ablagerungen, die wie weiße (oder gräuliche) Tropfsteine aussehen. Das Dornengestrüpp wirkt gleichzeitig wie ein Wasserfilter und hält Verunreinigungen zurück. Schwarzdorn-Reisig ist sehr robust und langlebig in Kombination mit Salzwasser. Es muss nur alle 10 Jahre ausgetauscht werden. Auch Schlehdorn-Büschel, Weißdorn und Tannen-Reisig sind geeignet. Die Anlagen sind auf Dauerbetrieb ausgelegt. Wegen ihrer Größe und auffälligen Konstruktion sind sie zugleich auch beliebte Sehenswürdigkeiten und Publikumsmagneten. Eine ganze Reihe von bekannten Kurorten verfügt über alte Gradierwerke in ihren Kurparks.

Gradierwerk Hamm im Detail, Foto (C) Dirk Vorderstraße / flickr

Gradierwerk Hamm im Detail, Foto (C) Dirk Vorderstraße / flickr

 

Gesundheitliche Wirkungen

Das Inhalieren der salzigen Luft soll Heilwirkungen zeigen bei Atemwegsbeschwerden, Pollen-Allergie, Neurodermitis, Lungenleiden, Erschöpfung, Burnout und vielen anderen Beschwerden. Im direkten Umfeld eines Gradierwerkes wird die Luft befeuchtet und mit feinen Salzwasser-Partikeln angereichert. Somit kann man sich einen Kur-Aufenthalt am Meer ersparen. Die ionisierte Luft soll sogar verjüngend und verschönernd wirken, indem die Zellteilung der Haut angeregt wird. Pfarrer Sebastian Kneipp wurde für seine erfolgreichen Wasser-Kuren bekannt, wozu auch die Luftbefeuchtung durch Gradierwerke gehörte.

Außerdem gibt es viele Sole-Therapien für Menschen und Tiere, bei denen nicht der feuchte Dunst, sonder die Sole direkt verwendet wird: Trinkkuren, Salzbäder, Spülungen, Einreibungen und Umschläge zählen dazu. Dem Salzwasser werden besondere Fähigkeiten zugeschrieben, unter anderen auch von Jakob Lorber und der Keshe-Foundation, weil alles Leben aus einem Urmeer entstanden ist. Mineralsalze und Wasser gelten als jene Elemente, die alle Organismen neben dem Licht der Sonne am dringendsten brauchen, um gedeihen zu können. Ein vollwertiges, naturbelassenes Salz voller Mineralien ist ebenso wichtig wie ein gutes Wasser.

 

Innenraum-Gradierwerke

Kleine Gradierwerk-Becken in Raumhöhe, länglich oder rund geformt, sind für Wellness-Hotels und für Zuhause geeignet. Sie werden auch gerne in Kur-Pavillons, Salz-Stuben oder Grotten eingebaut und sind eine passende Ergänzung für Sauna- und Thermalbad-Betreiber. Je höher die Raumtemperatur ist, umso mehr Salzwasser kann verdunsten. Industrielles Kochsalz ist nicht geeignet, sondern es sollten nur naturbelassene Salze verwendet werden. Auch die ätherische Energie des Reisigs spielt eine Rolle. Um die wohltuenden Wirkungen eines Gradierwerkes nutzen zu können, muss man nichts weiter tun, als sich in der Nähe des Sprühnebels aufhalten, entspannen und abschalten. Am besten in einem kuscheligen Liegestuhl und bei schönem Licht. Gerne werden Beleuchtungen mit rötlichen Lichtfarben gewählt, um das Wärmegefühl und die Entspannung zu fördern. Das Rest-Wasser, das nicht verdunstet, wird mit einer Pumpe in Zirkulation gehalten.

 

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Irmgard Brottrager, Dipl.Ing. für Architektur und Innenarchitektur,

Ganzheitliche Raum-Gestaltung und Europäisches Fengshui 

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Literatur-Übersicht

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