Sie sind ja inzwischen fast ein Markenzeichen: Wer von anonymen Internet-Terroristen verfolgt wird, hat eine gewisse Wahrnehmungsschwelle überschritten und gilt als beachtenswert.

Trolle sollte man niemals füttern, Foto (C) serra boten / flickr

Trolle sollte man niemals füttern, Foto (C) serra boten / flickr

*

Ja, sie handeln ähnlich sie Terroristen. Überfallsartig, gefühllos und mit einer Kapuze über dem Kopf attackieren sie Internet-User, die eine unerwünschte Meinung vertreten. Wer viele Fans hat, hat meist auch viele Hater (auf Deutsch: Hasser). Sie gehören zu jedem erfolgreichen Account dazu wie der Schatten zum Licht. Sie sind aber auch der Grund, warum sich viele aufrichtige Menschen mit Kommentaren zurückhalten. Wer bereits öfter unangenehme Erfahrungen gemacht hat, kann da schon mal die Lust am Schreiben verlieren. Wer sind diese Hater und was wollen sie?

Wer oft im Internet surft, sich viele Youtube-Videos ansieht und sich in sozialen Netzwerken tummelt kennt das: Bei gewissen Themen kommt es regelmäßig zu verbalen Entgleisungen und bösartigen Angriffen auf die Autoren. Zu diesen „Reizthemen“ gehören auch die vegane Ernährung, die freie Energie-Szene, alle Selbstheilungsmethoden, Heidi Klum und andere Frauen mit Model-Maßen, Permakultur-Gärtner, Befürworter von regionaler Selbstverwaltung und jede Form von Aufklärung über die herrschenden Machtstrukturen.

Hater sind meist keine gewöhnlichen Netzwerkmitglieder

die keine Manieren haben, sondern Personen, die ihre Profile extra zum Zweck des Terrors einrichten. Niemand ist gezwungen, solche „Freunde“ in den Netzwerken zu dulden, aber aus Naivität und falsch verstandener Freundlichkeit treiben sie oft jahrelang ihr Unwesen. Sie tummeln sich bevorzugt in Netzwerkgruppen, die bestimmten Reizthemen zuzuordnen sind. Jede Netzwerkgruppe hat mindestens einen Moderator, der die Gruppe managt. Dieser Gruppenleiter sollte eigentlich dafür sorgen, dass Hater ausgeschlossen und blockiert werden, weil sonst niemand mehr Lust hat zu diskutieren. Hater können, wenn sie immer wieder „gefüttert“ werden, auch Gruppen mit tausenden von Mitgliedern völlig lahmlegen. Sie werden von den Moderatoren nicht als Störenfriede erkannt, sondern als unangenehme Mitglieder eingestuft, die man tolerieren muss. Zensur ist ja schließlich was ganz Schlimmes, glauben sie, und es muss jeder zu Wort kommen dürfen.

Die digitalen Schmierfinke, die sich zu 99 % hinter anonymen Profilen verstecken, Decknamen und provokante Profilfotos benutzen, haben sich darauf spezialisiert, Unterhaltungen zwischen normalen Netzwerk-Mitgliedern zu stören, die ihnen inhaltlich zuwider sind. Sie posten selber keine Beiträge, kommentieren niemals neutral oder positiv, sondern verfolgen nur destruktive Absichten. Normale Mitglieder haben respektvolle Umgangsformen und ein ehrliches Interesse an den Inhalten der Gruppen, denen sie beigetreten sind. Die Hass-Kommentatoren jedoch agieren mit öffentlichen Herabwürdigungen, Beleidigungen, Unterstellungen, übler Nachrede, Bedrohungen, Aufruf zu Gewalttätigkeiten und Gräueltaten, Verleumdungen, Diffamierungen und Volksverhetzung gegen bestimmte Bevölkerungsgruppen (Schwule, bestimmte Religionsangehörige, Frauen, Ausländer, bestimmte Berufsgruppen).

Im anonymen Internet sind menschliche Begegnungen schwieriger, weil man das Gegenüber weder sehen noch hören noch spüren kan. Foto (C) Eugene Kim / flickr

Im anonymen Internet sind menschliche Begegnungen schwieriger, weil man das Gegenüber weder sehen noch hören noch spüren kann. Foto (C) Eugene Kim / flickr

 

Was sind Internet-Trolle?

Da der spitzfindige Hass-Journalismus sehr zeitraubend ist, gibt auch berufliche Hater, die von entsprechenden Interessensgruppen bezahlt werden. Sie können jedes Argument binnen Minuten widerlegen, indem sie einfach im Internet googeln, Gegenmeinungen abschreiben und sich als Experten ausgeben. Es handelt sich in der Regel um gebildete und begabte Schreibprofis, denen es nicht schwer fällt, mit Worten zu spielen und jeden wohlmeinenden Beitrag zu entkräften. Die meisten Gelegenheitssurfer merken nicht, was gespielt wird und fallen auf die Trolle herein. Die Angriffe sind meist so formuliert, dass man sich endlos rechtfertigen muss oder nicht wehren kann. Sie triefen vor Verachtung und Fäulnis, Pauschalierungen, Hohn und Spott. Zu dem milderen „Stilmitteln“ gehören: Besserwisserei, in Abrede stellen, pauschale Abwertungen, lächerlich machen, Zurechtweisungen, üble Nachrede und Respektlosigkeiten. Bei Youtube erkennt man am Datum der Kommentare, dass sie oft bereits wenige Minuten nach dem Erscheinen des Videos geschrieben werden, ehe man den Film überhaupt zu Ende sehen kann.

Und was wollen wie?

Das Ziel dieser kriminellen Zeitgenossen ist, die Leserschaft verunsichern, die Autoren zu diskreditieren und persönlich zu verletzen. Es ist für junge Autoren, die noch alles persönlich nehmen, oft sehr schmerzhaft, mit diesen hasserfüllten Menschen konfrontiert zu werden. Sie verstehen die Welt nicht und fragen sich, womit sie diese Resonanz verdient haben. Leider ist es durchaus möglich, den Erfolg von interessanten Büchern, Facebook-Seiten und Videos zu verhindern, wenn sie in Scharen von Hatern niedergemacht werden und schlechteste Bewertungen erhalten, obwohl sie hervorragend sind. Wenn bereits mehrere Trolle kommentiert haben, mag kein normaler Mensch mehr was dazu schreiben, weil eine üble Stimmung in der Luft liegt. Hater und Trolle wollen verhindern, dass sich das Bewusstsein verändert und setzen daher alles daran, um die Verbreitung von relevanten Werken zu unterbinden. Es kommen sogenannte Totschlag-Argumente,  Pauschal-Verurteilungen und Schubladisierungen zum Einsatz. Die Autoren werden als Verschwörungstheoretiker, Esoteriker, Neonazis, Idioten, Versager, Betrüger und Rassisten hingestellt.

Und was kann man dagegen tun?

  • Hass-Kommentare sind strafbare Handlungen, die man sich nicht gefallen lassen muss. Wer den gewöhnlichen Rechtsweg scheut, kann Anzeige bei einer Internetwache erstatten.
  • Sofortige Meldungen bei den Netzwerkbetreibern.
  • Die Täter ohne Vorwarnung blockieren. Im Zweifelsfall hilft ein Blick auf ihr Profil, um die Interessen der Person einschätzen zu können.
  • Niemals direkt reagieren, sondern die Kommentare löschen oder den Vorfall melden.
  • Bereits von Trollen beschmierte Beiträge vollständig löschen und neu posten. Es ist wichtig, diesen Banditen keine Plattform zu bieten und die ahnungslosen User aufzuklären.
  • Eigene Gruppen und Webseiten mit einer Klausel schützen. Wer selber einen Word-Blog oder Video-Blog betreibt, ist verpflichtet, Hass-Kommentare zu entfernen.
  • Grundsätzlich mit niemandem kommunizieren, der seine Identität nicht preisgibt. Auffällige Mitglieder mit Fake-Profilen ausschließen.
  • Facebook & Co sind verpflichtet, die Persönlichkeitsrechte ihrer Mitglieder zu wahren.
  • Öffentliche Verleumdungen und anonyme Verunglimpfungen dürfen auch im realen Leben nicht geduldet werden. Daher Vorsicht bei herabwürdigenden Tratschereien über dritte Personen, die sich nicht wehren können! Es ist verständlich, dass man mit jemanden reden möchte, wenn man Probleme hat mit Bezugspersonen, aber man sollte dies nie öffentlich tun! Falls Sie anonyme Anrufe oder Briefe bekommen, sollten Sie alles protokollieren und bei geeigneten Stellen Meldung erstatten – zum Beispiel bei der Hausverwaltung oder einer beruflichen Rechtsabteilung. Auch betrügerische Phishing-Spams sind eine Form von Terror, die man melden kann.

 

 

 

*

*

Irmgard Brottrager, Dipl.Ing. für Architektur und Innenarchitektur,

Ganzheitliche Raum-Gestaltung und Europäisches Fengshui 

Link zur Homepage

*

Literatur-Übersicht

*

Link zum Everyday-Feng-Shui Berater-Profil

 

Advertisements