Zwischen Himmel und Erde sind noch einige Fragen ungeklärt. Zum Beispiel: Welche Energie bringt die Bäume dazu, sich zu verdrehen? Die Wasseradern sind schuld, das ist doch klar, oder?

Foto (C) Tischlermeister Josef Loitzenbauer

Foto (C) Tischlermeister Josef Loitzenbauer

 

Drehwuchs gilt auf dem Holzmarkt als Holzfehler, weil die Verwertbarkeit des Holzes eingeschränkt wird. Die Holzfasern wachsen nicht parallel in die Höhe, sondern drehen sich spiralförmig um die Baum-Achse. Durch die innere Verdrillung des Stammes wird die Stabilität verbessert. Es sind vor allem frei stehende Bäume betroffen, die nicht windgeschützt sind. Je windiger und exponierter die Lage, umso stärker sind die Bäume verdrillt. Es gibt aber auch Sorten, die von Natur aus zum Drehwuchs neigen. Ein leichter Drehwuchs ist völlig normal und nicht immer an der Rinde zu erkennen. Die Verdrillung kann linksdrehend oder rechtsdrehend sein. Junge Bäume drehen sich häufiger nach links und ändern im Alter ihre Drehrichtung. Sogar ein Wechseldrehwuchs, mal nach links und mal nach rechts, ist möglich. Die Ursache für diese Phänomene ist bislang ungeklärt. Die Bäume sind jedenfalls nicht krank, sondern nur außergewöhnlich geformt.

 

Geomantische Interpretationen

Viele Geomanten messen drehwüchsigen Bäumen eine besondere Bedeutung zu. Sie stehen angeblich auf besonders energetischen Plätzen, Wasseradern oder radiästhetischen Kreuzungspunkten. Soferne die Bäume nicht ganz offensichtlich unter asymmetrischen Bedingungen aufwachsen, kann man davon ausgehen, dass ihre Form ein Abbild der Schwingungsmuster ist, die an diesem Platz existieren. Manche Bäume nehmen im Alter sehr skurrile Formen an, die an abenteuerliche Landschaften erinnern. Man kann viel in diese Erscheinungsbilder hineininterpretieren, Charakterzüge und Naturwesenheiten erkennen. Die Spirale gehört zu den essentiellen vitalen Lebensmustern. Es gibt wahrscheinlich keine einzige Pflanze, die nicht irgendwie geschwungene oder gedrehte Elemente besitzt. Wenn ein Baum oder Stängel vollkommen gerade in die Höhe wächst, so ist dies eher die Ausnahme und nicht die Norm. Der Drehwuchs ist für die Bäume ein Überlebensvorteil und nur für die Holzbearbeiter ein Ärgernis.

 

Der Baum als individuelles und soziales Wesen

Wenn man sich öfter in Wäldern aufhält, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass man sich in einer vielgestaltigen Gesellschaft befindet. Tatsächlich sind alle Bäume unterirdisch miteinander verbunden und vielseitig vernetzt. Wie in jeder natürlichen Gesellschaft, wirken anziehende und abstoßende Kräfte zwischen den einzelnen Bäumen. Manche Exemplare scheinen enge Liebesbeziehungen einzugehen, sich einander zuzuneigen, sich ineinander zu verschlingen oder wie Zwillinge am Stamm zusammenzuwachsen. Andere wiederum bevorzugen eine Solitärstellung, streben nach oben, suchen sich Licht-Lücken oder ducken sich im Schatten der älteren Bäume, von denen sie über die Wurzeln miternährt werden. Den sägewerksgerechten Normbaum, vollkommen gerade und möglichst astfrei, wird man in einem naturbelassenen Mischwald kaum finden. Auch wenn Pflanzen sich nicht fortbewegen können, können sie ihre Wachstumsrichtung an die Umweltbedingungen anpassen. Verdrehungen machen den Baum nicht nur wendiger und anpassungsfähiger, sondern können auch als Ausdruck seiner sozialen Beziehungen verstanden werden. Sie soziale Botschaft, die uns körpersprachlich vermittelt wird, kann zum Beispiel lauten:

  • Ich fühle mich hier nicht wohl.
  • Ich fühle mich einsam.
  • Ich sehne mich nach einem Nachbarbaum.
  • Ich versuche mich zu behaupten.
  • Ich kämpfe ums Überleben.
  • Ich möchte mich austoben und tanzen.
  • ch möchte mehr Raum einnehmen und mich ausbreiten.

Indem man beobachtet, wie die unmittelbaren Nachbarn reagieren, wird die Botschaft noch deutlicher. Wenn mehrere Bäume in einer Gruppe stehen, finden immer Interaktionen statt, die sich auch äußerlich abzeichnen. Wie bei den Menschen sind nicht alle Baumarten gleichermaßen kommunikativ veranlagt. Manche passen besser zusammen, andere weniger.

Uralter drehwüchsiger Baum in Afrika, Foto (C) Marvin Foushe / flickr

Uralter drehwüchsiger Baum in Afrika, Foto (C) Marvin Foushe / flickr

 

Yin und Yang:

Rechsdrehende Bäume gelten als weiblich (Yin) und linksdrehende als männlich (Yang).

 

Oft drehwüchsige Baumarten:

Lärche, Eiche, Ulme, Rotbuche, Kiefer, Ahorn, Rosskastanie, Birnbaum, Silberpappel

Selten drehwüchsige Baumarten:

Birke

 

Vermutliche Ursachen für den Spiralwuchs:

  1. Windexponierte Lage.
  2. Einseitige Beschattung.
  3. Andere einseitig wirkende Kräfte im Boden oder Kronenbereich.
  4. Corioliskraft: Trägheitskraft, die einen bewegten körper quer zu seiner Bewegungsrichtung ablenkt.
  5. Hanglage.
  6. Zusammentreffen von zwei Erdgitterlinien.
  7. Alterserscheinung, vor allem bei hohlen Stämmen.
  8. Statische Ursachen. Dass ein Stamm mit verdrehten Fasern stabiler und elastischer ist, liegt auf der Hand.
  9. Genetische Merkmale sind laut Feldversuchen im Jahr 1980 die Hauptursache für Verdrehungen. Die Nachkommen von drehwüchsigen Bäumen sind ebenfalls drehwüchsig, wobei auch die Drehrichtung beibehalten wird. Die Lage spielt bei fast 70% der Bäume keine Rolle.

 

 

 

 

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Irmgard Brottrager, Dipl.Ing. für Architektur und Innenarchitektur,

Ganzheitliche Raum-Gestaltung und Europäisches Fengshui 

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Literatur-Übersicht

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