Geschäftsmodelle, die nur funktionieren, wenn die Menge der Umsätze laufend steigt, werden Schneeball- oder Pyramidensysteme genannt. Wenn Unternehmen sich zu Tode vergrößern, hilft keine Feng-Shui Reichtumsecke, sondern nur der Abschied vom Größenwahn.

Aus einem Schneeball wird eine Lawine, Foto (C) Faldrian. / flickr

Aus einem Schneeball wird eine Lawine, Foto (C) Faldrian. / flickr

 

Sie sind zum Teil illegal, aber es gibt auch viele legale „Lawinen-Systeme“ mit exponentieller Wachstumskurve, die den Beteiligten nicht bewusst sind. Exponentielle Wachstumsprozesse nähern sich immer schneller einem unendlich großen Wert. Jemand, der weiß, worauf er sich bei diesen Systemen einlässt, wird nicht freiwillig mitspielen. Aber erstens durchschauen die Wenigsten, was gespielt wird, und zweitens gibt es auch Modelle wie das herrschende Geldsystem und kapitalistische Wirtschaftssystem, denen keiner entkommt. Diejenigen, die bewusst teilnehmen, halten sich oft für besonders schlau, gehen jedoch selbst in die Falle und werden zum Opfer der Lawine. Da es in der Natur kein unendliches Wachstum geben kann, haben Pyramidensysteme keine lange Lebensdauer, sondern brechen zyklisch zusammen. Vorher jedoch werden die meisten der beteiligten Personen energetisch ausgelaugt, getäuscht und frustriert. Nur die Personen an der Spitze der Pyramide wissen Bescheid und profitieren.

Verstecke Pyramiden-Muster im Alltag

Auch in ganz gewöhnliche Berufe, die niemand verdächtigt, können Pyramiden-Spiele eingebaut sein, die zu Misserfolgen führen. Um zu durchschauen, in welche Richtung die Energien sich bewegen, zeichnet man am besten ein Organigramm für den Energiefluss auf. Sieht es wie ein geschlossener Kreislauf aus oder ergibt sich eine Pyramide ohne Ende? Man kann in einem Pyramidensystem keine Gewinne machen, es sei denn, man ist der Gründer des Systems. Es finden sich schnell viele begeisterte Fans, die an das Finanzwunder glauben und Geld verdienen möchten mit wenig Arbeit. Auch intelligente Leute fallen darauf herein und lassen sich von Ausbildungsprogrammen locken, ohne das Gesamtsystem zu hinterfragen. Die Folge sind Frust, Verzweiflung, Erschöpfung und Burnout. Und das allerschlimmste dabei: Der Fehler wird oft überhaupt nicht erkannt, sondern es werden neue Anläufe unternommen, die zum Scheitern verurteilt sind.

DC Tower Vienna, Foto (C) The 3B`s / flickr

DC Tower Vienna, Foto (C) The 3B`s / flickr

 

Nachfolgend einige Beispiele für ungesunde Pyramidensysteme:

1) Semiarleiter bilden keine Schüler, sondern Seminarleiter aus.

Ergebnis: Es gibt immer mehr Seminarleiter und keiner macht die Ausbildung zweimal. Es kommt zur Lehrer-, Berater-, und Heiler-Schwemme.

2) Seminarleiter bilden keine jungen Menschen, sondern Erwachsene aus.

Der Pyramiden-Effekt ist schwächer als bei 1), aber da Erwachsene nicht nachwachsen wie Kinder, ist der Markt bald gesättigt. Das bedeutet nicht, dass jedes Seminar gefährlich ist, aber die Gruppen sollten klein bleiben. Bei Vorträgen in großen Sälen ist die Wiese schnell abgegrast.

3) Online-Kongresse und Online-Kongress-Akademien.

Effekt: Es werden Massen von Menschen unterrichtet, die mit dem riesigen Angebot bald überfordert sind. Besonders schlimm: Online-Kongress-Akademien zur Ausbildung von neuen Kongess-Leitern. Während bei gewöhnlichen Semniaren nur eine kleine Anzahl teilnimmt, gehen die Kongress-Teilnehmer in die Tausende.

4) Kostenpflichtige Berufsausbildungen aller Art.

Effekt: Die Akademien und Berufsverbände leben von den Ausbildungen und später von den Kammerbeiträgen. Wer als Mitglied im Kammer-System gefangen ist, zahlt bis zur Pensionierung. Die kleinen Firmen werden geschröpft und die großen Haie profitieren, weil es nicht genug Kunden gibt, damit alle groß sein können.

5) Verzinste Kredite.

Auch hier kommt es zu jahrzehntelangen Bindungen und Zahlungen an die Spitze der Pyramide. Die Banken schöpfen das Geld aus dem Nichts und lassen sich ungefähr die doppelte Summe zurückzahlen (Zinsen, Zinseszinsen und alle Nebenkosten inklusive).

6) Pensionsversicherungen und Lebensversicherungen.

Effekt: Sie funktionieren nur, solange die Bevölkerung wächst und Zinserträge vorhanden sind.

7) Affiliate Marketing.

Gegen den Tausch von Webseiten-Links ist nichts einzuwenden, aber Links zu fremden Produkten von Großunternehmern führen nur dazu, dass Besucher an die Spitze der Pyramide abwandern.

8) Bezahlte Inserate in Firmenverzeichnissen. 

Auf  Plattformen, die Firmenverzeichnisse führen, tummeln sich keine Kunden, sondern nur Anbieter. Den wenigen potentiellen Kunden, die sich hierher verirren, steht eine ganze Armee von Anbietern gegenüber. Ebenso sinnlos ist es, in sozialen Netzwerken zu werben, wo sich hauptsächlich Unternehmer bewegen. Zum Beispiel Xing, Linkedin und Momanda. Der Handel allein unter Anbietern kann nicht funktionieren, denn jeder braucht einen Gewinn, um im herrschenden Geldsystem überleben zu können.

9) Verlage und Seminarhäuser ohne Kundenstamm.

Da für Bücher und Seminare ständig Neukunden gebraucht werden, werden die Kataloge der Einfachheit halber über die Autoren und Händler verteilt. Da beißt sich die Katze in den Schwanz, denn wenn ein Autor seine Bücher selber verkaufen kann, braucht er keinen Verlag.

10) Messeveranstaltungen ohne Kundenstamm.

Auch von Messeveranstaltern wird oft erwartet, dass die Aussteller untereinander Handel betreiben oder ihre Kunden selbst mitbringen.

11) Supermarkt und Baumarkt-Ketten im Expansionswahn.

Durch ständig neue Filialen, Umbauten und Vergrößerungen des Sortiments kommt es zu Umsatz-Rückgängen. Erstens wandern die Kunden ab, wenn eine Filiale mehrere Wochen wegen Umbau geschlossen hat. Und sie werden niemals mehr an der Zahl, sondern verteilen sich nur anders. Auch die Kaufkraft wächst nicht.

12) Soziale Netzwerke im Internet.

Die maximale Größe ist erreicht, wenn die Mitglieder keine Zeit mehr haben, sich um ihre Kontakt-Gemeinde zu kümmern. Einladungen werden mit wachsender Anzahl zunehmend wertlos, weil niemand 100 Veranstaltungen besuchen kann am Tag und die unzähligen Beiträge nicht mehr angeschaut werden können.

13) Buchhandel und Kunstmarkt.

Jedes System, das von ständig neuen Kunden abhängig ist, ist im Grunde ein Pyramidensystem. So kommt es, dass sich Bücher nur zirka 3 Jahre lang gut verkaufen lassen, bis der Markt gesättigt ist. Auch bei Kunstwerken wird keines zweimal gekauft. Ähnlich geht es den Architekten: Wenn ein Kunde einmal ein Haus gebaut hat, wird er vermutlich kein zweites Mal Bedarf haben. Beim Verlagsbuchhandel kommt noch hinzu, dass der Autor am untersten Ende einer vielschichtigen Pyramide steht, obwohl ohne sein eigenes Engagement kaum was verkauft werden kann.

14) Spams und Kettenbriefe.

Sie sind zwar gesetzlich verboten, aber ohne Spam-Ordner kommt heute kaum noch jemand aus. Sie sind ein Zeichen, wie unglaublich viele Leute versuchen, andere in unseriöse Geldgeschäfte hineinzuziehen oder sie vorsätzlich zu betrügen.

15) Multi-Level-Marketing.

Es wird auch „Network-Marketing“ genannt und ist unter gewissen Umständen legal. Die Vertriebspartner sind zugleich die Kunden. Sie profitieren nur, wenn sie weitere Vertriebspartner-Kunden anwerben. Es werden regelmäßige Schulungen veranstaltet, die kostenpflichtig sind und der Gehirnwäsche dienen, damit die Vertreiber beim Anwerben der Neukunden keine ehrlichen Erfahrungen einbringen, sondern sich an die Marketing-Vorgaben der Firmen halten. Die Mitglieder werden motiviert, sich auf höhere Ebenen hochzuarbeiten, indem sie immer mehr Leute zum Mitmachen überreden und diese so lange schädigen, bis sie den Unsinn entdecken. Dass die Pyramide nicht sofort zusammenbricht, ist nur den vielen Aussteigern zu verdanken, die die Produkte nicht weiter bewerben.

16) Geschäfte mit Arbeitslosigkeit und Geldnot.

Viele Job- und Kredit-Angebote zielen darauf ab, Menschen, die arbeitslos, pleite oder verschuldet sind, in weitere Nöte zu treiben. Die Interessenten werden mit hohlen Versprechen zu Informationsveranstaltungen gelockt, wo ihnen Schulungen oder Lizenzgebühren verkauft werden. Die eigentlichen Tätigkeiten werden typischerweise nicht näher beschrieben und haben was mit „Marketing“ zu tun. Die meisten verdienen wenig bis gar nichts und bleiben auf ihren Schulungskosten, Produkteinkäufen und sonstigen Investitionen sitzen.

17) Kostenlose Youtube-Videos.

Der Werbe-Erfolg von einzelnen Anbietern basiert auf dem Misserfolg der großen Masse. Es können unmöglich alle Erfolg haben und viele scheitern auf einem Niveau, wo es richtig weh tut. Sie erreichen eine Gefolgschaft von über 3.000 Abonnenten, aber kein weiteres Wachstum. Wenn man bedenkt, dass man in den ersten beiden Jahren gar nichts verdient und nur durchhält, weil man sich später mehr erhofft, ist die Enttäuschung unvermeidlich. Wer Youtube-Videos drehen will, sollte das nur in Kombination mit anderen Angeboten machen und nicht allein auf die Werbeeinnahmen setzen.

18) Internetmagazine und Blogging.

Was für die „Vlogger“ gilt, gilt in abgeschwächter Form auch für die Blogger. Soferne eine Plattform eine solide Leserschar erreicht hat und halten kann, ist kein endloses Wachstum erforderlich, aber die Arbeit hört nicht auf. Die weniger erfolgreichen Blogger jedoch müssen Energie verlieren, weil die Leserschaft in Summe ungefähr gleich groß bleibt. Falls sie wächst, verlieren die etablierten Printmedien.

 

 

 

 

 

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Irmgard Brottrager, Dipl.Ing. für Architektur und Innenarchitektur,

Ganzheitliche Raum-Gestaltung und Europäisches Fengshui 

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Literatur-Übersicht

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