Für Hackschnitzel aus Chinaschilf müssen keine Bäume sterben. Das umgangsprachlich als Elefantengras bezeichnete Schilfgras gehört wie Bambus zu den Süßgräsern, die äußerst schnell nachwachsen und holzige Halme bilden.

Elefantengras, Foto (C) David Wright /flickr

Reifes Elefantengras, Foto (C) David Wright /flickr

 

Für die Brennstoff-Produktion wird meist Riesen-Chinaschilf (Miscanthus Giganteus) verwendet, weil er über eine besonders ergiebige Form der Photosynthese verfügt. Es ist aus einer Krenzung zwischen dem gewöhnlichen Chinaschilf und Miscanthus sacchariflorus hervorgegangen und erzeugt zirka 2,5 Gramm Biomasse pro Megajoule absorbierter Sonneneinstrahlung. Die robuste Pflanze stammt aus Ostasien und wird seit den 1930er-Jahren auch in Europa angebaut. Sie hat sich hier sehr gut integriert und wird von der einheimischen Tierwelt positiv angenommen. Die Nutzung als Energiepflanze wurde erst in den 1970er-Jahren ins Auge gefasst und in den folgenden Jahrzehnten erforscht. Gewöhliches Chinaschilf wird 80 bis 200 Zentimeter hoch, Miscanthus Ginganteus zirka 3 bis 4 Meter hoch. Es kommt zur Bildung von buschigen Horsten mit horizontal wachsenden Rhizomen. Die steifen Halme enthalten viel Ligno-Zellulose. Derzeit werden neue Sorten getestet, die auch auf ungünstigen Standorten gedeihen und direkt ausgesät werden können. Bisher erfolgt der Anbau mittels Rhizome, was relativ aufwändig ist.

 

Wenig Investition und lange Nutzungsdauer

Die mehrjährigen Flachwurzler bieten viele Vorteile bei der Bearbeitung. Sie wachsen nach dem Auspflanzen quasi von selbst, ohne besondere Pflege und Dünger. Und das mindestens 20 Jahre lang, ohne sie neuerlich anbauen zu müssen. Die Rhizome treiben nach dem Abernten immer wieder aus. Es ist kein Umackern notwendig. Die Standort-Ansprüche sind ähnlich wie bei Mais, also eher niedrig. Es ist mit Erträgen von zirka 15 Tonnen pro Hektar (10.000 m2) zu rechnen. Der Anbau ist besonders ökologisch für den Eigenbedarf und zur Versorgung der direkten Nachbarschaft. Die Maschinelle Erntung kann mit einem herkömmlichen Feld-Häcksler erfolgen. Das Material ist nach der Ernte bereits ausreichend trocken. Eine zusätzliche Trocknung ist nicht erforderlich. Das Material kann außerdem zum Muchen, als Einstreu für Stalltiere, als Baumaterial (Putz-Zuschlag, Spanplatten, Pflanzbehälter), Kompost-Zusatz und als dekoratives Abdeckmaterial im Garten verwendet werden. Das Miscanthus-Häckselgut soll sogar schneckenabweisend wirken, wenn man die nackte Erde damit abdeckt. Bei der Gartengestaltung ist das Süßgras als Sichtschutz- und Zierpflanze beliebt.

 

Brennwert-Vergleich

Das Elefantengras wird in Form von Briketts, Pellets oder Hackschnitzel verfeuert. Es ist für kommunale Biomasse-Heizkraftwerke und private oder gewerbliche Hackschnitzel-Heizungen, die für verschiedene Brennstoffe ausgelegt sind, geeignet. Auch eine Beimischung zu herkömmlichen Holz-Hackschnitzeln ist möglich. Die ersten Anlagen wurden vor über 10 Jahren in Betrieb genommen. Heute kann man bereits auf diesen Erfahrungen aufbauen.

 

Brennwert Elefantengras (Trockenmasse): 4,5 kW pro kg

Brennwert Buchenholz: 4,0 kW pro kg

Brennwert Stroh: 4,7 kW pro kg

Bambusholz: 4,4 kW pro kg

Holz-Pellets: 4,9 kW pro kg

 

Beim Vergleich der Brennwerte ist zu bedenken, dass die Brennstoffe meist in Kubikmeter gemessen werden und nicht in Kilogramm. Vom schweren Buchenholz braucht man mengenmäßig relativ wenig Material, während man vom leichten Stroh eine viel größere Menge benötig, um das gleiche Gewicht zu erzielen.

 

 

Preisvergleich

Hier schneidet das Chinaschilf im Vergleich mit anderen Biomasse-Brennstoffen am besten ab. Man benötigt jedoch einen größeren Lagerraum und es kommt natürlich darauf an, zu welchem Preis man das immer noch eher unbekannte Material bekommt.

 

Material- und Preisvergleiche für einen Bedarf von 1000 kWh/Jahr: (Zirka-Angaben)

1000 Liter Heizöl: 750 €

5,6 m2 Stückholz: 270 €

13,7 Schüttraummeter Holzhackschnitzel: 250 €

23 Schüttraummeter Miscanthus: 180 €

 

Für ein durchschnittliches Einfamilienhaus muss man einen Verbrauch von 65 Schüttraummetern rechnen im Jahr, die zirka 490 € kosten und eine Lagerfläche von zirka 35 Quadratmetern erfordern. Es wurde hier ein Preis von 7,5 € pro Schüttraummeter angenommen. Wenn das Material selbst erzeugt wird, kann man mit dem halben Preis rechnen. Das Material kann im Handel allerdings auch doppelt so teuer sein und dann schneidet es im Vergleich nicht mehr so günstig ab. Es ist direkt bei den Herstellern erhältlich, aber auch in Gärtnereien und Baumärkten. Mit wachsender Nachfrage und größerem Bekanntheitsgrad könnte der Anbau von Chinaschilf forciert werden und der Handel mit Brennholz in den Hintergrund geraten.

 

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Irmgard Brottrager, Dipl.Ing. für Architektur und Innenarchitektur,

Ganzheitliche Raum-Gestaltung und Europäisches Fengshui 

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Literatur-Übersicht

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