Die Humus-Toilette, wie sie auch heißt, braucht keinen Kanalanschluss. Die Exkremente werden nicht kilometerweit durch die halbe Stadt transportiert, sondern direkt vor Ort in wertvollen Humus verwandelt.

Humustoilette mit eigener Sammelkammer, Foto (C) SuSanA Secretariat / flickr

Humustoilette mit eigener Sammelkammer, Foto (C) SuSanA Secretariat / flickr

 

Biologische Trockentoiletten sind in Skandinavien nichts Besonderes. Sie sind nicht nur für Zelt-Plätze, Gartenhäuser, Outdoor-Events, Almhütten, Wohnwägen, Boote, Baustellen und dünn besiedelte Gegenden geeignet. Sondern eine sehr einfache, ökologische und kostengünstige Lösung für naturverbundene Menschen, die einen eigenen Garten besitzen. Es gibt sie in vielen Ausführungen, auch sehr modernen mit automatischer Entsorgung.

Wie funktioniert eine Humus-Toilette?

Eine Bio-Toilette funktioniert so ähnlich wie es die Katzen machen, wenn sie ihre Geschäfte verscharren. Die menschlichen Ausscheidungen werden mit natürlichen Streumaterialien bedeckt und gebunden, wodurch die Geruchsbildung verhindert wird. Gerüche entstehen erst, wenn der Kot mit Wasser in Berührung kommt, was bei Trockentoiletten vermieden wird. Einen Wasseranschluss braucht man nur für das Handwaschbecken, denn es gibt keinen Spülkasten. Als Streugut werden Bio-Materialien wie Rindenschrot, Holzhäcksel, Stroh, Erde, trockenes Laub und Holzspäne verwendet. Damit die Kompostierung im Sammelbehälter in Gang kommt, ist eine Durchlüftung erforderlich. Die Exkremente verwandeln sich auf ganz natürliche Weise in wertvolle Blumenerde. Man macht im Prinzip auf einen bestehenden Komposthaufen, deckt ihn mit Einstreu ab und lässt der Natur ihren Lauf. Das stille Örtchen lässt sich auch direkt im Garten anlegen, zum Beispiel hinter einer Sichtschutzwand, und mit einer Pflanzenkläranlage kombinieren. In Innenräumen ist eine attraktive Gestaltung mit vielen Grünpflanzen oder als Wintergarten möglich. „Ich geh mal kurz ins Gebüsch“, bekommt in diesem Fall eine neue Bedeutung. Wer eine sterilere Optik möchte, kleidet den Raum ganz konventionell mit Fliesen oder waschbaren Stein-Platten aus. Gerne wird auch Vollholz verwendet, nicht nur für die Wandverkleidungen, sondern auch für den Sitz und das Behälter-Gehäuse.

Zur Not tut es auch ein tiefes Loch im Freien. Foto (C) SuSanA Secretariat / flickr

Zur Not tut es auch ein tiefes Loch im Freien. Foto (C) SuSanA Secretariat / flickr

 

Trennung zwischen Kot und Urin

Damit das Material nicht zu feucht wird, sollte der Urin sollte möglichst separat aufgefangen werden. So entstehen am wenigsten Gerüche. Für Männer ist es ja nichts Besonderes, ein Urinal zu benutzen, aber mit speziellen Einsätzen ist es auch Frauen möglich, ihre Ausscheidungen zu separieren. Bei Trenn-Systemen ist im vorderen Bereich der WC-Muschel ein Behälter für den Urin integriert. Die Flüssig-Gülle kann wie Abwasser gereinigt oder als Pflanzendünger verwendet werden. Moderne Humustoiletten haben außen ein etwas größeres, aber sonst ähnliches Gehäuse wie herkömmliche WC-Muscheln, jedoch mit zwei herausnehmbaren Behältern, die auf einem Garten-Komposthaufen entsorgt werden. Da kein Wasseranschluss erforderlich ist, lässt sich das Gehäuse auch selbst zimmern. Im Intneret findet man zahlreiche Bauananleitungen, sogar vom bekannten österreichischen Künstler Friedensreich Hundertwasser. Der Locus ist bei richtiger Konstruktion sehr geruchsarm und es werden auch keine Fliegen angezogen. Was nach Holz und Wald duftet, sind nur die trockenen Streumaterialen.

Im Handel werden auch fertige Kisten aus Holz mit Einsätzen aus Kunststoff und integriertem Ventilator angeboten. Ein Sammelbehälter von 25 Liter reicht für eine Person zirka vier Wochen lang, bis er ausgeleert werden muss. Wenn mehrere Personen dieselbe Toilette benutzen, muss man den Eimer öfter leeren. Oder man verwendet einen Tank mit größerem Volumen. Der Behälter mit dem Streugut kann entweder neben dem Pot stehen oder oben statt dem Spülkasten aufgesetzt sein. Dahinter befindet sich meist das Abluftrohr, mit oder ohne Ventilator. Humustoiletten müssen nicht unbedingt primitiv oder rustikal aussehen. Man findet auch Modelle mit sehr modernem und innovativem Design. Je weniger fixe Anschlüsse die Toilette besitzt, umso mehr bekommt sie den Charakter eines mobilen Möbelstückes, das ohne großen Aufwand versetzt werden kann. Da die gesamte Kanalisation entfällt, kann jedes Familienmitglied seinen eigenen Locus bekommen, um eine Überlastung der Anlage zu vermeiden. Starke Berührungsängste mit den eigenen Ausscheidungen sollte man allerdings nicht haben, denn sie verschwinden nicht komplett aus dem Blickfeld, so wie wir das bei Wasserklosetts kennen. Wer den Umgang mit Kompost bereits gewohnt ist, wird wahrscheinlich nichts Besonderes daran finden. Schließlich ist es doch ein gutes Gefühl, keine Abfälle im biologischen Sinn zu hinterlassen, sondern bei jedem Toilettengang wertvollen Gartendünger zu produzieren.

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Irmgard Brottrager, Dipl.Ing. für Architektur und Innenarchitektur,

Ganzheitliche Raum-Gestaltung und Europäisches Fengshui 

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Literatur-Übersicht

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