Das Wildpflanzen-Verzeichnis von Christine Lackner, Christian Hofer und David Schwärzler eignet sich nicht nur für Einsteiger/innen und Städter/innen ohne Garten. Die Lektüre ist auch unterhaltsam für Fortgeschrittene, die ihre Kost schon lange mit Wildnahrung aufwerten. 

Bärlauch gedeiht vor allem in Auwäldern, Foto C) Irmgard Brottrager

Bärlauch gedeiht vor allem in Auwäldern, Foto C) Irmgard Brottrager

 

Viele Leser/innen werden die ausgewählten Wildkräuter bereits kennen, aber die erzählerische Beschreibung mit überraschenden Details macht das Buch zum persönlichen Gewinn. Die Auswahl der vorgestellten Pilze ist spezieller, hier sind etliche Raritäten dabei. Das recht gewöhnliche „Unkraut“ gedeiht am Wegesrand, im Park und auf städtischen Brachflächen ebenso wie in ländlicherer Umgebung. Das Buch möchte Lust auf die Beschäftigung mit Natur machen, heißt es im Vorwort  – und das ist durchaus gelungen. Es handelt sich weder um ein Pflanzen-Bestimmungsbuch noch werden die Wirkstoffe genauestens beschrieben. Stattdessen erfährt man von historischen Überlieferungen und bekommt Anleitungen für originelle Rezepte und Naturheilmittel. Auch schöne Ideen für Geschenke sind dabei, vor allem für Kräuter-Öle, Kräuter-Salze und Kräuter-Essige. Und auch die Freunde von Kochkost-Künsten und Eingekochtem kommen nicht zu kurz – wobei ich persönlich es ein wenig schade finde, die wertvollen Naturprodukte so stark zu verarbeiten. Da die meisten Menschen auf Gekochtes und Gezuckertes nicht verzichten möchten, kommen die Rezepte vermutlich gut an. Auch Kuchen und Brotwaren gehören zu den Genussmitteln, die ich persönlich als ungesund erachte und daher nicht empfehlen würde. Gewürzt und verfeinert mit wilden Kräutern, werden sie auf jeden Fall geschmackvoller.

Buchcover, Grafik (C) Leykam Verlag Graz

Buchcover, Grafik (C) Leykam Verlag Graz

 

Hagebutten kennt zwar jeder, aber wer hat gewusst, dass man Juckpulver daraus machen kann? Und dass man auf Heublumen nich nur gut schlafen und sie als Badezusatz verwenden kann, sondern dass man sie ähnlich einsetzen kann wie Kirschkern-Kissen? Oder dass die Nachtkerze ihre Blüten erst bei Einbruch der Dunkelheit öffnet? Rainfarn-Säckchen helfen gegen Motten und Fichtenäste kann man auch als Fußabstreifer verwenden. Diese lustigen Tipps fast bei jeder Pflanzen-Beschreibung sind für mich die Würze des Buches. Obwohl ich sehr oft Brennnesseln pflücke, war mir bisher nicht bewusst, dass sie als Schmetterlingsweiden eine wichtige Rolle spielen. Dass Gänseblümchen auch im Winter „immergrün“ sind, habe ich zwar schon bemerkt, aber Danke für die Erinnerung! Auch die Vogelmiere gehört zu den grünen Schätzen im Winter, ebenso wie die Gundelrebe. Das Bucheckern-Knacken war mir bisher nicht gelungen, doch nun weiß ich, wie ich es probieren kann! Sehr interessant ist auch die Beschreibung der Zichorie bzw. Wegwarte. Von Zichorien-Kaffee hatte ich wohl schon gehört, aber mit dem Begriff „Blümchenkaffee“ hatte ich ihn nicht in Verbindung gebracht. Und auf die Idee, dass Chicorée eine Zuchtform der Zichorie ist, wäre ich auch nicht gekommen. Außerdem weiß ich jetzt, dass nicht nur Jiaogulan „Kraut der Unsterblichkeit“ genannt wird, sondern auch der Wiesensalbei zu den Antiaging-Kräutern gehört. – An solchen Details merkt man, dass Christine Lackner eine wahre Kräuter-Expertin ist und viel zu erzählen hat. Auch wenn die Kochrezepte nicht so „meines“ sind, klingen sie sehr originell und erprobt. Wer Zeit und Freude hat am Experimentieren, findet hier sicher viele Anregungen! Einfache Tipps wie Schafgarben-Blüten mit Grapefruit-Saft kommen sogar für mich – als Vertreterin der basisch-veganen Ernährung mit hohem Rohkost-Anteil – in Frage.

Der Parasol darf bei einem Pilz-Verzeichnis natürlich nicht fehlen. Foto (C) Irmgard Brottrager

Der Parasol darf bei einem Pilz-Verzeichnis natürlich nicht fehlen. Foto (C) Irmgard Brottrager

 

Das praktische Büchlein ist beim Grazer Leykam-Verlag erschienen und mit vielen „wilden“ Bildern illustriert. Die Pilz-Auswahl finde ich sehr interessant und ich würde gerne mal Eichhasen, Habichtspilze, Riesenbovist und Morcheln probieren, aber die gibt es in meiner Umgebung nur selten. Auch Krause Glucke habe ich erst einmal gefunden. Schopftintlinge und Eispilze (in der Kindheit haben wir sie Sulz-Schwammerl genannt) hingegen liebe ich sehr und auch die Herbsttrompeten kann ich empfehlen. Für alle, die mehr wissen möchten oder ein nettes Geschenk suchen, sind die Kräuter- und Pilz-Weisheiten in „Wilde Freunde“ eine lohnende Investition!

 

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Irmgard Brottrager, Dipl.Ing. für Architektur und Innenarchitektur,

Ganzheitliche Raum-Gestaltung und Europäisches Fengshui 

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Literatur-Übersicht

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