UBUNTU ist eine uralte afrikanische Philosophie und ökologische Freiheitheitsbewegung mit dem Ziel, jeden einzelnen Menschen souverän zu machen – vor allem unabhängig vom Geld und den derzeit bestehenden Regierungs-Systemen. Das Ziel ist ein friedliches und erfüllendes Zusammenleben, ohne gesellschaftsübliche Zwänge.

Torus-Modell von wirbelsysteme.de, Foto (C) Irmgard Brottrager

Torus-Modell von wirbelsysteme.de, Foto (C) Irmgard Brottrager

 

Am 22. und 23. Juli fand ein Ubuntu-Festival in Graz statt. Ich nehme das zum Anlass, um etwas über diese wunderbare Gemeinwohl-Bewegung zu schreiben, denn es gibt sicher noch viele Leute, die bisher wenig oder gar nichts darüber gehört haben. Das gleichnamige Linux-Betriebssystem Ubuntu wurde 2005 von Mark Shuttleworth gegründet und steht jedem frei zur Verfügung. Es wird von unbezahlten Anwendern freiwillig weiterentwickelt. Das Wort Ubuntu bedeutet so viel wie Mit-Menschlichkeit. Im Gegensatz zum üblichen Konkurrenzdenken wird bei Ubuntu ein offener Austausch praktiziert. Von Michael Tellinger kam 2014 ein Buch mit dem Titel „Das Ubuntu Prinzip“ heraus, das auch in deutscher Sprache erhältlich und sehr zu empfehlen ist. Das Grundprinzip ist recht einfach: Jeder trägt etwas für die Gemeinschaft bei und nimmt sich dafür heraus, was er braucht oder möchte. Es findet kein direkter Tauschhandel statt und es gibt niemanden, der den Wert der Gaben gegen den Wert der Entnahmen abwiegt. Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo ein Mitmensch in seiner Freiheit beeinträchtigt wird. Dass dies in der Praxis sehr gut funktionieren kann, hat sich in Graz gezeigt. Es gab einen großen „Gabentisch“, wo jeder etwas ablegen und entnehmen konnte. Der Tisch war am Abend des zweiten Tages noch nicht leer geräumt von irgendwelchen gierigen Besuchern, die sich über die Gratis-Angebote stürzten.

Selbstverständlich wurde auch viel immaterielles Wissen weitergegeben und ausgetauscht. Zum Beispiel zu den Themenkreisen Freie-Energie-Technologien, alternative Heilungsmethoden, gesunder Lebensstil, Bewusstseinsbildung, ökologische Anbaumethoden und Raum-Energetisierung. Zu den Leitlinien der Bewegung gehören:

 

  • Freier Wohnraum
  • Freie Nahrung
  • Freies Wasser
  • Freie Bildung
  • Freie Energie
  • Freies Dasein

 

Dodekaeder-Modelle, Foto (C) Irmgard Brottrager

Dodekaeder-Modelle, Foto (C) Irmgard Brottrager

Wenn jeder seine Umgebung etwas schöner, besser und glücklicher zurücklässt, als er sie vorgefunden hat, dann hat das Ubuntu-Prinzip gewirkt. Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, standen auf den Fahnen der Französischen Revolution. Bei Ubuntu kommt noch eine Menschenliebe hinzu, die auf Toleranz beruht und jeden so sein lässt wie er ist, ohne ständiges Bewerten, Eingrenzen und Beurteilen. Jeder hat seine speziellen Fähigkeiten und Schwächen, keiner ist mehr wert als der andere. Alle Beiträge gelten als gleichwertig. Wer eine Führungsrolle übernehmen will, muss sich durch Engagement und Übernahme von Verantwortung hervortun. Die Führer sind nicht diejenigen, die am meisten delegieren, sondern die, die den anderen am meisten dienen. Keiner muss bestimmte Leistungen erbringen, sondern kann das tun, was ihm am besten liegt oder ihn am meisten interessiert. Alles, was selber angebaut und hergestellt werden kann, wird selbst produziert. Man arbeitet also in erster Linie für den eigenen Bedarf und gibt seine Überschüsse an die Gruppe ab. Es gibt keine Jobs und keine Unternehmen.

Gerade in Zeiten wie diesen brauchen wir dringend neue Perspektiven. Das Ubuntu-Prinzip kann jeder in sein Leben einführen, denn es ist durchaus kompatibel mit dem gängigen Geldsystem. Jeder kann seinen Konsum einschränken, mehr für sich selbst und seine unmittelbare Umgebung arbeiten, Überflüssiges verschenken statt wegwerfen, an Schenk- und Tauschkreisen teilnehmen, seinen Lebensstil vereinfachen, auf Chemieprodukte verzichten, Müll vermeiden und sich an Open-Source Projekten beteiligen. Dazu gehört auch, dass man Wettbewerbe ablehnt und statt dessen die Kooperation sucht mit Kollegen und Mitbewerbern. Was den freien Wohnraum betrifft, bin ich persönlich allerdings der Meinung, dass die Behausung zur Persönlichkeit eines Menschen dazu gehört und daher nicht Allgemeingut sein sollte. Der Wohnraum ist nach der Kleidung die dritte Haut eines Menschen und daher nicht mit fremden Personen teilbar. Ohne eigenes Revier und ein gesundes Maß an materiellen Mitteln und persönlichen Gegenständen ist es nicht möglich, sich kreativ zu betätigen. Wie groß dieses Revier ist, hängt vom eigenen Engagement ab. Für manche wird auch ein eigener Garten und eine Werkstatt dazu gehören, für andere nicht. Versuche im sozialen Wohnungsbau, den Menschen die räumliche Privatsphäre zu nehmen, sind bis jetzt noch immer gescheitert.

Agnihotra-Präsentation beim Ubuntufestival in Graz, Foto (C) Irmgard Brottrager

Agnihotra-Präsentation beim Ubuntufestival in Graz, Foto (C) Irmgard Brottrager

 

In Graz tummelte sich leider viel Publikum, das sich dem Konsum von Tabak, Alkohol, Kuchen, lärmender Musik und anderen „Genussmitteln“ hingab. Wenn man gesundheitlich höhere Ansprüche hat, ist es notwendig, sich abzugrenzen. Auch der abgefrackte Zustand der Veranstaltungsräume wirkte auf viele Besucher derart schockierend, dass sie sich unbehaglich fühlten oder bald das Weite suchten. Die Menschen sind eben doch nicht ganz gleich und es ist nicht immer sinnvoll, den Anschluss an Gruppen zu suchen, wenn die Wellenlänge nicht stimmt. Unter Fülle stelle ich mir kein Ambiente vor, das so aussieht, als wäre man in den Slums gelandet. Die Aussteller waren fast ausnahmslos große Klasse und es ist wirklich schade, dass der Rahmen so unglücklich gewählt worden war. Einige Besucher sind sehr weit angereist aus den Bundesländern und Nachbarländern. Trotz der gewöhnungsbedürftigen Location war es dennoch eine sehr gelungene Veranstaltung mit zahlreichen inspirierenden Kontakt-Möglichkeiten. Ich durfte gleich mehrere höchst interessante Pioniere kennenlernen, die im Internet kaum präsent sind. Auch die neuen regionalen Bekanntschaften sind sehr wertvoll, weil es sich um ganz besondere Menschen handelt, die sich genauso wie ich eine bessere Welt wünschen und bereits ein fortgeschrittenes Bewusstsein haben. Es muss nicht immer alles perfekt geplant sein, sondern auch Organisationsformen, die uns nachlässig und chaotisch vorkommen, haben ihren Reiz.

Die Vorträge wurde von Okitalk aufgezeichnet und sind auf folgendem Video zu hören:

 

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Irmgard Brottrager, Dipl.Ing. für Architektur und Innenarchitektur,

Ganzheitliche Raum-Gestaltung und Europäisches Fengshui 

Link zur Homepage

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Literatur-Übersicht

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Link zum Everyday-Feng-Shui Berater-Profil

 

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