Malerische Gewürzpflanze oder invasives Unkraut? Beim Essigbaum oder Gewürz-Sumach scheiden sich die Geister. Halb so wild! – sagen die einen. Eine Katastrophe! – die anderen. 

Essigbaum, Foto (C) Thomas Kohler / flickr

Essigbaum, Foto (C) Thomas Kohler / flickr

 

Merkmale: Der Essigbaum oder Färberbaum hat Ähnlichkeiten mit dem Götterbaum, aber anders geformte Blüten und Früchte. Er wird bis 12 Meter hoch. Die Äste sind strauchartig verzweigt. Die langen, hübsch gefiederten Blätter besitzen gesägte Ränder, hellere Unterseiten und beeindrucken im Herbst mit einer flammenden Rot-Färbung. Aus den kolben-artigen Blüten entwickeln sich große, rotbraune Fruchtstände, die wie Kerzen nach oben ragen und aus kleinen, behaarten Nüsschen bestehen. Der Flachwurzler bildet sehr aggressive und weit reichende Ausläufer. Um den Baum wieder los zu werden, sind umfangreiche Baggerarbeiten erforderlich. Das Abschneiden der Schösslinge mit dem Rasenmäher kann das Mähwerk beschädigen und beim Schneiden mit einer Astschere sind Hautreizungen möglich. Auch unterirdische Rohrleitungen können von den Wurzeln durchlöchert werden. Die rötlichen, jungen Äste sind filzig behaart und erinnern in ihrer Form an Hirschgeweihe, weshalb der Baum auch Hirschkolben-Sumach genannt wird.

Standorte: Das vermehrungsfreudige Gehölz stammt aus Nordamerika und kam um 1620 als Zierpflanze nach Europa. Es sprießt wie Unkraut am liebsten dort, wo man es nicht haben will. Die Ausläufer sind unberechenbar und kommen oft aus Ritzen im Straßenbelag oder neben Mauerwerk hervor. Obwohl sehr anspruchslos, gedeiht es nicht überall. Es mag keine nassen und sauren Böden und wächst nicht auf Schatten-Plätzen. Man sieht es neben Bachläufen ebenso wie auf trockenen Schutthalden. Wenn man es als Zierpflanze im Garten ansetzen will, ist unbedingt eine Wurzel-Sperre notwendig. Und macht sich auch gut auf der Terrasse im Kübel, wo es keinen Schaden anrichten kann.

Verwendung: Der Pionierbaum eignet sich für Hang-Sicherungen und die schnelle Begrünung von brach liegenden Flächen. Das Holz ist für Messergriff-Blöcke, Drechslerwaren und Kunsthandwerk begehrt. Die Früchte können zur Herstellung von Essig, Limonade und Gewürzen verwendet werden. Auch die Gewinnung von Gerb- und Farbstoffen ist möglich. Wenn man die Wurzeln in den Griff bekommt, ist er ein sehr schöner und genügsamer Gartenbaum, der auch in kleine Gärten passt und wenig Schatten wirft.

Holz-Eigenschaften: Das leichte, weiche und ast-reiche Holz lässt sich gut bearbeiten. Es hat einen farbig gestreiften Kern und einen sehr schmalen, hellen Splint. Die gelbgrün getönten Querschnitte weisen eine sehr lebhafte Zeichnung mit deutlichen Jahresringen auf. Das dekorative Edelholz soll sogar eine natürliche Fluoreszenz besitzen und im UV-Licht neongelb leuchten.  Schöne Stücke werden scheitweise angeboten und erziehlen beachtliche Preise.

Essigbaum Fruchtstand, Foto (C) Roberto Verzo / flikr

Essigbaum Fruchtstand, Foto (C) Roberto Verzo / flikr

 

Elemente: Feuer

Naturheilkunde: Die Blätter und die säuerlichen Früchte gelten als mehr oder weniger giftig und können zu Hautreizungen führen. Dennoch sind von den Indianern auch verschiedene Heilwirkungen überliefert. Der Gewürz-Sumach, wie er auch genannt wird, soll bei Blasenleiden helfen. Die Früchte können zu einer rosafarbigen Limonade (Indian Lemonade) verarbeitet werden. Trockene Sumach-Früchte sind auch gemahlen als orientalisches Gewürz erhältlich. Dabei ist allerdings zu beachten, dass es verschiedene Sumach-Sorten gibt und nicht alle zum Verzehr geeignet sind. Für Homöopathische Mittel wird giftiger Sumach verwendet.

Spirituelle Bedeutung: Der Baum ist laut Europäischem Fengshui leicht einzuordnen. Die Farbe Rot, die zackigen Blätter, die kräftigen Holzmaserungen und die aggressiven Wurzeln deuten darauf hin, dass es sich um ein sehr feuriges Gewächs handelt, das sich nicht in die Schranken weisen lässt. Trotz seiner zierlichen Größe wirkt es sehr dynamisch und ausdrucksstark. Auch das gelblich leuchtende Holz ist voll eigenwilliger Energie, die uns erfrischen, beleben und wieder auf Trab bringen kann, wenn wir uns abgeschlagen, müde oder matt fühlen. „Geht nicht, gibt es nicht“, wenn dieser Baum austreiben und sich vermehren möchte. Er unterstützt Eigenschaften wie Anpassungsfähigkeit, Durchsetzungskraft, Kampfgeist, Zielstrebigkeit und Prosperität. Und behält seine jugendliche und ungestüme Ausstrahlung auch dann, wenn er bis 50 Jahre alt wird.

 

 

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Irmgard Brottrager, Dipl.Ing. für Architektur und Innenarchitektur,

Ganzheitliche Raum-Gestaltung und Europäisches Fengshui 

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Literatur-Übersicht

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