Die Feng-Shui-Qualitäten von Treppen-Anlagen werden relativ selten besprochen. Dabei kommen sie fast in jedem Gebäude vor. Wie sind die verschiedenen Typen zu bewerten? Und was ist bei der Planung zu beachten? 

Wendeltreppe in der Saint Istvan Basilika in Budapest, Foto (C) Jan Fidler / flickr

Wendeltreppe in der Saint Istvan Basilika in Budapest, Foto (C) Jan Fidler / flickr

 

Laut allgemeinen Fengshui-Prinzpien sollte sich eine Treppe besser nach rechts drehen (von unten gesehen), weil die meisten Menschen so veranlagt sind, dass sie sich in diese Richtung leichter bewegen und daher weniger Energie aufwenden müssen. Die Rechtsdrehung wirkt außerdem eher aufladend, während linksdrehende Spiralen Auflösungs- und Reinigungsprozesse begünstigen. Treppen in Privathäusern sind grundsätzlich problematisch, weil sie ein massives Hindernis darstellen und eine Wohneinheit in zwei Ebenen trennen. Die zweite Ebene entzieht sich der Wahrnehmung. Der Chi-Fluss zwischen den beiden Ebenen ist stark eingeschränkt. Man hält sich entweder oben oder unten auf und fühlt sich wegen der notwendigen Kraftanstrengung gehemmt, die Ebenen häufig zu wechseln. Die Situation verbessert sich, wenn die Treppe ein großzügiges Auge oder gar einen Luftraum hat, über den einen Sicht-Beziehung möglich ist. Je offener die gesamte Konstruktion, umso besser kann die Lebensenergie Chi auf und ab fließen. Da Treppen zum Richtungswechsel animieren und mit Verkehr zu rechnen ist, sollte man sie nicht an Stellen platzieren, wo man Ruhe oder Konzentration möchte. Sie lenken auf jeden Fall ab und stellen eine Möglichkeit dar, sich zu entfernen.

Raumspar-Treppe nach einem Entwurf von Carlo Scarpa, Foto (C) seier+seier / flickr

Raumspar-Treppe nach einem Entwurf von Carlo Scarpa, Foto (C) seier+seier / flickr

 

Stiegen mit Zwischenpodest haben zwar einen Vorteil bei der Bequemlichkeit, sie erfordern jedoch eine Drehung um 180 Grad. Wie wir wissen, hat das Chi die Tendenz, geradeaus oder leicht geschwungen zu verlaufen. Abrupte Richtungswechsel macht es nicht mit. Einläufige Treppen sind daher besser, sofern sie gerade verlaufen und nicht gewendelt sind. Bei gewendelten Treppen ergeben sich viele Stolperfallen und man muss sie schon sehr gut kennen, um sie zügig beschreiten zu können. Der Radius der Gehlinie ist variabel, daher muss man die Schrittlänge ständig anpassen und sich dabei noch ständig drehen. Die optimale Stiege ist so konstruiert, dass sie möglichst wenig Hindernis darstellt, aber trotzdem solide wirkt und bequem zu begehen ist. Die Stufen sollten rutschfest sein und keine besondere Vorsicht erfordern. Viele Treppen wirken wie ein offenes Tor, das in eine nicht sichtbare Zone führt. Schöner ist es, wenn man nicht den Eindruck hat, ein Tor durchschreiten zu müssen, sondern die Treppe auch Aufenthaltsqualitäten hat oder wie ein Möbelstück wirkt. Dies kann man erreichen, indem man zum Beispiel Sitzstufen vorsieht oder sie mit Regalen kombiniert.

Diese Treppe ist in das natürliche Gelände integriert. Foto (C) Irmgard Brottrager

Diese Treppe ist in das natürliche Gelände integriert. Foto (C) Irmgard Brottrager

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Wenn man ein neues Gebäude plant, kann man sich auch überlegen, ob man die Ebenen nicht übereinander stapelt, sondern halbgeschoßig versetzt. Die Treppen werden dadurch um die Hälfte kürzer und die Räume werden eher als zusammenhängend erlebt. Je breiter die Stufen sind, umso einladender wirkt der Weg nach oben. Raumspar-Treppen und leiter-artige Konstruktionen erfordern große Aufmerksamkeit beim Besteigen. Man sollte sie daher nur für Zugänge einsetzen, die man selten oder nur privat benutzt. In halb-öffentlichen Häusern oder wenn man viele Besucher hat, sind sie nicht zu empfehlen. Kurze Treppen wirken nicht wie eine Hindernis, sondern regen die Bewegung an. Wenn es gelingt, eine längere Treppen-Anlage so zu gliedern, dass sie wie ein natürlich ansteigendes Gelände erscheint, wird sie gerne benutzt werden. Die meisten Menschen klettern ganz gerne auf eine Anhöhe, solange die Übung nicht zu mühsam ist und sie mit einer schönen Aussicht belohnt werden. Bei geschlossenen Stiegenhäusern, die vorne und hinten eine Tür haben, geht dieser Reiz weitgehend verloren. Außerdem unterbinden sie den Energie-Austausch zwischen den Ebenen fast komplett. Bei Wohn-Objekten können Einrichtungen, die die Gesamtheit des Raumes in separierte Einzelbereiche zerteilen, auf Beziehungsstörungen hinweisen.

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Dipl.Ing. Arch. Irmgard Brottrager, Ganzheitliche Raum-Gestaltung und Europäisches Fengshui 

Link zur Homepage: http://irmgardbrottrager.npage.at/

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Link zum Everyday-Feng-Shui Berater-Profil:

http://www.feng-shui-katalog.de/berater/irmgard-brottrager-ganzheitlich-denkende-architektin-europaeisches-fengshui.html

 

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