Wo das Bepflanzen von öffentlichen Grünflächen noch nicht erlaubt ist, sprießen in vielen Städten illegale Blumenbeete. So auch in Graz-Andritz, wo entlang der Straßenbahn-Schienen auf einer abgezäunten Bahn-Trasse schon seit über 10 Jahren ein üppiger Blüten-Streifen gedeiht. 

Unerlaubte Blumenbeete neben dem Straßenbahn-Gleiskörper in Graz-Andritz, Foto (C) Irmgard Brottrager

Unerlaubte Blumenbeete neben dem Straßenbahn-Gleiskörper in Graz-Andritz, Foto (C) Irmgard Brottrager

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Anfangs waren die Guerilla-Beete, die in Wahrheit gar nicht wild, sondern ganz zahm aussehen, noch kleiner und mit selbst gebastelten Schrifttafeln versehen, um zu verhindern, dass die bunte Pracht von den Mitarbeitern des Stadtgarten-Amtes geschliffen wird. Inzwischen kennt sie jeder im Umkreis, denn es führt ein viel frequentierter Fuß- und Radweg daran vorbei. Das Betreten ist strengstens verboten und auf keinen Fall zu empfehlen, denn es könnte jederzeit eine Straßenbahn daher brausen. Die Beete in der Nähe des Andritzer Hauptplatzes werden vermutlich von einer Person betreut, die in einer der angrenzenden Wohn-Siedlungen zu Hause ist. Vielleicht lässt sie sich tagsüber gar nicht blicken, sondern wagt sich erst nach Mitternacht auf die Gleise, wenn die letzte Straßenbahn abgezogen ist. Die Pflanz-Beete sind zirka 50 Meter lang und wirken immer bestens gepflegt, die Urheberin hat sichtlich Freude daran.

Glockenblumen im Guerilla-Garten, Foto (C) Irmgard Brottrager

Glockenblumen im Guerilla-Garten, Foto (C) Irmgard Brottrager

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Als Guerilla-Gardening bezeichnet man private Garten-Initiativen auf öffentlichen Flächen, die eigentlich nicht genutzt werden dürfen. Ähnlich wie beim heimlichen Plakatieren werden hier gezielt Pflanzen-Samen verstreut, um die Stadt zu verschönern, meist von naturnahen blühenden Sorten. Man kann die fertigen Samen-Mischungen sogar im Handel kaufen. Sie werden auch als „Samen-Bomben“ bezeichnet, weil sie in Tonkugeln versteckt sind und im Frühling aufspringen wie grüne Bomben. Die Kügelchen lassen sich auch leicht selbst herstellen, indem man feuchte Lehmerde mit verschiedenen Blumen-Samen vermischt und trocknen lässt. Man muss sie nicht unter die Erde stecken, benötigt also keine Schaufel, sondern kann sie ganz unauffällig auf geeigneten Grün-Flächen in kleine Mulden drücken. Nur selten sind Guerilla-Gärten so eindeutig identifizierbar wie beim Gleis-Garten in Graz-Andritz. In der Regel wird man einfach nicht wissen, woher es kommt, wenn irgendwo eine Ringelblume oder Taglilie blüht, wo man es nicht erwarten würde. Auch Bohnen, Tomaten und Erbsen wurden schon gesehen und sind inklusive Rank-Hilfe sicher nicht von selbst aufgegangen.

Der Guerilla-Garten in Andritz vom Radweg aus gesehen. Foto (C) Irmgard Brottrager

Der Guerilla-Garten in Andritz vom Radweg aus gesehen. Foto (C) Irmgard Brottrager

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Je größer eine Stadt, umso rarer sind die Grün-Räume. Sie leisten besonders in stark verbauten Gebieten einen wichtigen Beitrag zur Lebensqualität. Es gibt so viele Menschen im urbanen Raum, die hoch oben in Geschoß-Wohnungen leben und sich nach einem gewachsenen Fleckchen Erde sehnen. Urbanes Gärtnern erinnert uns daran, dass die öffentlichen Flächen nicht einer unpersönlichen Institution gehören, sondern dass die Stadt für alle Menschen da ist. Wo die Nachfrage nach öffentlichem Gärtnern besteht und auch die Möglichkeit vorhanden ist, sollten die Stadt-Verwaltungen diesem neuen Trend verstärkt entgegen kommen. Denn wie der schöne Blumen-Garten in Graz-Andritz beweist, profitieren unzählige Menschen davon, die am Radweg zur Arbeit oder in die Schule fahren oder ihre Jogging-Meilen zurücklegen. Die Grazer Stadt-Verwaltung duldet den Straßenbahn-Garten seit Jahren, obwohl sie ihn offiziell nie genehmigen dürfte, weil die Lage direkt neben den Schienen zu gefährlich ist. Es gibt auch andere Initiativen wie zum Beispiel die „fruitmap“ der technischen Universität Graz, wo öffentlich zugängliche Obstbäume verzeichnet sind. Oder frei aufgestellte Hochbeete aus Holz im Innenstadt-Bereich, die von den Bürgern bepflanzt werden können. Über die Organisation „Transition Town“ erfährt man, wo sich offizielle Gemeinschaftsgärten befinden.

Eine Samenbombe springt auf. Foto (C) Irmgard Brottrager

Eine Samenbombe springt auf. Foto (C) Irmgard Brottrager

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Arch. Dipl.Ing. Irmgard Brottrager, Ganzheitliche Architektur und Europäisches Fengshui in Graz.

Link zur Homepage: http://irmgardbrottrager.npage.at/

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E-Book: “Planen und Bauen in Zeiten des Wandels”:

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E-Book: “BODY FENG SHUI”, Band 1+2:

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Link zum Everyday-Feng-Shui Berater-Profil:

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