Auch die steirische Landeshauptstadt gehört seit 2012 zu den „essbaren Städten“. Die sogenannte fruitmap  ist ein innovativer Online-Stadtplan zum Auffinden von essbaren Früchten im Stadtraum und wurde an der TU Graz von Institut für Architektur und Landschaft initiiert. 

Holunder-Blüten, gesehen in Graz-Geidorf, Foto (C) Irmgard Brottrager

Schwarzer Holunder, gesehen in Graz-Geidorf, Foto (C) Irmgard Brottrager

Diese städtische Obst-Landkarte weist die öffentlich nutzbaren Obstbäume nicht nur mit Früchte-Symbolen aus, sondern vermittelt auch weitere Informationen mit Fotos von den Bäumen und eine genauere Lage-Beschreibung. Hier steht zum Beispiel: „Juglans Regia – 2 große Walnussbäume befinden sich zwischen dem Bikeparkour und einer Wiese.“ Aha, hier lernt man sogar Latein! Der Wegweiser zu bestimmten Pflanzen im Laubbaum-Wald ist freilich eine spezielle Herausforderung, denn wie erklärt man, welcher der vielen Bäume gemeint ist? Für Städter/innen, die beim Unterscheiden von Baum-Sorten nicht so gut sind, gilt folgender Tipp: „An den Früchten werdet ihr sie erkennen!“ Und ja, die Früchte sehen hier etwas anders aus als im Supermarkt!

Fallobst, gesehen in Graz-Geidorf, Foto (C) Irmgard Brottrager

Fallobst, gesehen in Graz-Geidorf, Foto (C) Irmgard Brottrager

Die Autorin begab sich Ende Juli, ausgerüstet mit einer leeren Proviant-Dose, auf Entdeckungs-Ausflug zum großen Spielplatz und öffentlichen Park am nördlichen Ende der Theodor-Körner-Straße in Graz-Geidorf, um sich selbst ein Bild zu machen. Die Kirschen waren leider bereits bis auf die Kerne abgeerntet, aber die ersten Pflaumen färbten sich schon blau. Und auch die Birnbäume streuten bereits Fallobst und verströmten einen betörenden Duft nach frischen Früchten. Der Holunder wird auch bald so weit sein, nur die Nüsse brauchen noch ein Weilchen. Die Proviant-Dose blieb nicht ganz leer, zwei Sorten Birnen, eine Kirschpflaume und ein paar Rotklee-Blüten wechselten den Besitzer :-) Die Stadt gehört schließlich allen Bewohnern, warum sollten wir die süßen Früchtchen nicht mit Freuden teilen, statt sie achtlos verkommen zu lassen?

Nussbaum, gesehen in Graz-Geidorf, Foto (C) Irmgard Brottrager

Nussbaum, gesehen in Graz-Geidorf, Foto (C) Irmgard Brottrager

Ein praktischer Nachteil ist allerdings, dass die meisten Bäume sehr alt und hoch sind, aber nicht beklettert werden dürfen, obwohl die Nutzung auf eigene Gefahr erfolgt. Nur wenige Äste hängen so weit herab, dass sie stehenden Fußes erreicht werden können. Vor allem einer der Birnbäume hatte wunderbare Kletter-Äste und rief förmlich danach, bestiegen zu werden! Die Ernte ist natürlich nur für den Eigenbedarf erlaubt und nicht für kommerzielle Zwecke. Im Gegensatz zu Konzepten in anderen Städten, wo die Bürger/innen auch die Pflege der Pflanzen übernehmen, dürfen die Bäume in Graz nicht bearbeitet werden. Bei den Kirschbäumen ist zu sehen, dass sehr viele Früchte am Boden landen, also entweder gar nicht oder nicht zeitgerecht geerntet wurden. Es ist bei den Bäumen auch keine Beschilderung angebracht, die darauf hinweist, dass die Ernte frei zur Verfügung steht. Es sind nicht alle Bäume leicht erreichbar, das Gras war zum Zeitpunkt der Besichtigung teilweise recht hoch und kein Pfad vorhanden. Die Ernte ist also noch ein echtes Abenteuer, aber was eine echte Naturkost-Liebhaberin ist, lässt sich nicht abschrecken! Bei einem derart großen Park könnte man freilich noch viel mehr anbieten, zum Beispiel auch jüngere Bäume und Beeren-Obst pflanzen. Es ist ein schöner Anfang, mal die vorhanden Obst-Bäume im öffentlichen Raum auf Landkarten festzuhalten. Damit das gewünschte Gemeinschaftsgefühl entsteht, sollte das Areal besser beschildert werden und auch von Privat-Personen gepflegt werden dürfen. Platz wäre genug vorhanden! Jeder, der sich bei fruitmap registriert, kann auch selbst einen Obst-Baum mappen und die Früchte-Landkarte auf diese Weise erweitern.

Birnbaum, gesehen in Graz-Geidorf, Foto (C) Irmgard Brottrager

Birnbaum, gesehen in Graz-Geidorf, Foto (C) Irmgard Brottrager

Nicht nur in diesem Park mit seinen weitläufigen Sport- und Spielflächen, es gibt so viele Möglichkeiten, Essbares anzubauen statt monotone Rasen-Flächen und stachelige Büsche zu trimmen! Bei vielen Supermärken, auf Parkplätzen, an Bachläufen … Die Urban-Gardening-Idee ist noch sehr jung und außerhalb des Internets weitgehend unbekannt. Nach dem Vorbild von Zürich sind es vor allem Gemeinden in der Schweiz, die das gemeinsame Gärtnern gezielt vorantreiben, öffentliche Behälter und Flächen zu Verfügung stellen und die private Pflege organisieren. Die internationale Facebook-Seite Grow Food, not Lawns hat immerhin bereits 394.000 Anhänger. Mögen es täglich mehr werden! Früher sprühte man Graffiti, heute setzt man Blumen, um sich im öffentlichen Raum zu verwirklichen. Während die Zeiten des illegalen Guerilla-Gardenings in Zürich bereits vorbei sind, haben sie in anderen europäischen Städten noch nicht mal begonnen …

Pflaumen, gesehen in Graz-Geidorf, Foto (C) Irmgard Brottrager

Pflaumen, gesehen in Graz-Geidorf, Foto (C) Irmgard Brottrager

 

Birnen, gesehen in Graz-Geidorf, Foto (C) Irmgard Brottrager

Birnen, gesehen in Graz-Geidorf, Foto (C) Irmgard Brottrager

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Arch. Dipl.Ing. Irmgard Brottrager, Ganzheitliche Architektur und Europäisches Fengshui in Graz.

Link zur Homepage: http://irmgardbrottrager.npage.at/

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Buch “Europäisches Fengshui”:

Druck-Version

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Buch “Planen und Bauen in Zeiten des Wandels”:

E-Book-Version

Buch “BODY FENG SHUI”, Band 1+2:

E-Book-Version, Band 1 

E-Book-Version, Band 2 

Druck-Ausgabe Band 1

Druck-Ausgabe Band 2

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Link zum Everyday-Feng-Shui Berater-Profil:

http://www.feng-shui-katalog.de/berater/irmgard-brottrager-ganzheitlich-denkende-architektin-europaeisches-fengshui.html

 

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