Etwas weniger krass ausgedrückt handelt es sich um stapelbare Fertigteil-Module aus recycelten und ökologischen Baustoffen, die zu schicken Wohnhäusern addiert werden können. ContainMe! heißt das kostengünstige Bau-System einer jungen Architekten-Gemeinschaft in Graz, deren zerlegbare Raum-Elemente auf standardisierten Fracht-Containern basieren.

„containme“ – Containerhaus in Graz, Foto ©Tamara Frisch

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Ein ISO-Container ist nicht breiter als ein Parkplatz, die Länge beträgt 6 Meter, die Höhe 3 Meter. Die Module eigenen sich nicht nur für fest angesiedelte Häuser, sondern auch für temporäre Bauten. Theoretisch kann man das Eigenheim unabhängig von Baugrund aufstellen und bei Bedarf auch mitnehmen, wenn man umziehen möchte. In der Praxis ist das rechtlich nicht überall erlaubt, doch die Idee fasziniert. „Grundstücke“ für temporäre Bauten bieten sich zum Beispiel auf Flachdächern von Industrie-Hallen an, in Hinterhöfen und auf Flächen, die eine befristete Zeit lang ungenutzt sind. Zu groß gewordene Haus-Teile können am Secondhand-Markt weiterverkauft werden. Und sollte plötzlich Bedarf an einem zusätzlichen Kinderzimmer oder Arbeitsraum bestehen, kauft man sich einfach einen Container dazu. Eine Photovoltaik-Anlage am begrünten Flachdach macht das Niedrigstenergie-Haus netzunabhängig. Der am Hausdach produzierte Strom wir in einer Lithium-Ionen-Batterie gespeichert, die in Form einer kleinen Kiste unter dem Spülbecken Platz findet. Als Heizung ist eine Luft-Luft-Wärme-Pumpe installiert, die nicht nur wetterunabhängig und effizient arbeitet, sondern auch ortsungebunden ist.

„containme“ – Prototyp in Graz, Erdgeschoß, Foto ©Tamara Frisch

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Die überraschend wohnlich anmutenden Raum-Zellen entstehen in Zusammenarbeit mit der Kärntner Firma Stugeba (Mobile Raumsysteme) und der deutschen Firma Istraw. Istraw bietet ein genial einfaches Strohbau-System für Innenwände an. Naturbelassenes Stroh wird fest in eine Karton-Umhüllung gepresst und zu unterschiedlich großen Bau-Elementen verarbeitet. Die Verbindung der Platten untereinander erfolgt mit Versatz , für die Rand-Befestigung gibt es schlichte Anschluss-Profile aus Metall. Das statische Traggerüst für die Häuser bilden ausgediente Industrie-Container, wobei eine Breitseite und eine Längsseite entfernt und das Innenleben durch ökologische Materialien ersetzt werden. Ein Container misst zirka 12 Quadratmeter, ein Wohnhaus besteht aus 8 bis 9 Containern. Eine Kleinhaus-Variante mit 4 Containern ist am Lazarettgürtel in Graz, gegenüber dem Einkaufszentrum „Citypark“, als Prototpy aufgebaut. Richtung Norden zeigt es seine unverkleidete Container-Seite aus weiß lackiertem Blech, Richtung Südosten und Südwesten ist das zweigeschoßige Gebäude mit Holzlatten verkleidet. Eine vorgelagerte Terrasse mit Pergola bildet den Haupteingang. Auf der Rückseite gelangt man von der Küche direkt zum vertikalen Fassaden-Garten, in dem verschiedene Kräuter, Salate und Beeren gedeihen.

„containme“ – Prototyp in Graz, Obergeschoß, Foto ©Tamara Frisch

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Insgesamt stehen vier verschiedene Fassaden-Typen zur Auswahl:

1) Holz-Fassade

2) Blech-Fassade

3) Vertikal-Garten-Fassade mit Pflanzbehältern

4) Grafik-Fassade mit beliebigen Motiven

„containme“ – Prototyp in Graz, Innenraum, Foto ©Tamara Frisch

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Die Innenräume wirken erstaunlich hochwertig und zeigen überlegte Architektur-Details. Keine Spur von Baracken-Klima oder Container-Atmosphäre, wie man vielleicht vermuten könnte! Die feinen Bio-Materialen aus verschiedenen Holz-, Stroh- und Lehm-Werkstoffen strahlen Behaglichkeit aus und sorgen für ein gesundes Raumklima. Die Außenwände sind auf der Innenseite mit Zellulose-Flocken gedämmt, der Blechmantel ist hinterlüftet. Auch die begrünte Fassade funktioniert sehr gut, die Pflanzen fühlen sich sichtlich wohl und sprießen üppig. Wer sich näher dafür interessiert: Das Grünwand-System ist von der Firma Climagrün und besteht aus kleinen Pflanz-Behältern, die hinten offen sind und an eine Streckmetall-Verkleidung gehängt werden. Hinter dem Metallgitter befindet sich eine Humus-Schicht, die über zwei horizontale Wand-Schienen von oben bewässert wird. Die Pflanzen wachsen mit den Wurzeln nach hinten in die feuchte Substrat-Schicht hinein, die einzelnen Gefäße müssen nicht versorgt werden.

„containme“, das Architekten-Duo vor dem Prototyp in Graz, Foto ©Tamara Frisch

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Die Architekten, Entwickler und Vertreiber der Öko-Häuser, DI Gerald Brencic und DI Michaela Maresch, haben sich verschiedene Fertighaus-Varianten, fünf Grund-Module und zwei Ausbaustufen ausgedacht, ab 1.490 EUR pro Quadratmeter ist man dabei. Die Wohn-Container können nach einer Produktionszeit von 6-8 Wochen binnen 3 Wochen montiert werden. Vorausgesetzt, die Baubewilligung ist erteilt.

„containme“ – Prototyp in Graz, Detailaufnahmen, Fotos ©Irmgard Brottrager

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Irmgard Brottrager, Dipl.Ing. für Architektur und Innenarchitektur,

Ganzheitliche Raum-Gestaltung und Europäisches Fengshui 

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Literatur-Übersicht

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